Abschreibung PKW: 3 Varianten, um die Privatnutzung Ihres Geschäftswagens zu versteuern

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Prüfen Sie genau: In vielen Fällen macht Ihnen ein Fahrtenbuch mehr Arbeit, als es Ihnen steuerlich für die Abschreibung Ihres Pkws bringt.

Nutzen Sie Ihr Auto zu mindestens 10 % betrieblich, können Sie es in Ihr Betriebsvermögen einlegen und somit als Geschäftswagen führen. Bei einer betrieblichen Nutzung von mehr als 50 % müssen Sie das sogar tun.

Das hat folgende Auswirkungen:

1. Sie dürfen sämtliche Kosten Ihres Geschäftswagens absetzen. Sind Sie umsatzsteuerpflichtig und ordnen Sie das Auto auch umsatzsteuerlich Ihrem Betrieb zu, lassen Sie sich zudem die Vorsteuer aus allen Ausgaben vom Fiskus erstatten.

2. Im Gegenzug versteuern Sie Ihre private Nutzung des Geschäftswagens als Privatentnahme. Ggf. wird darauf zudem Umsatzsteuer fällig. Der Fiskus lässt 3 Methoden zu, um den Umfang der Privatnutzung Ihres Geschäftswagens zu ermitteln: Schätzung, Fahrtenbuch und 1-%-Methode.

Hier folgt ein Überblick mit Beispielen, die Ihnen die Entscheidung erleichtern.

 

Abschreibung Pkw: Die einfache Lösung durch Schätzung

Fahren Sie das Auto zu höchstens 50 % betrieblich, dürfen Sie den prozentualen Anteil Ihrer Privatfahrten schätzen. Legen Sie Ihrer Schätzung am besten eine 3-Monats-Aufzeichnung Ihrer betrieblichen und privaten Fahrten zugrunde. Bleiben Sie bei dem so ermittelten Anteil, solange sich die Nutzungsverhältnisse nicht gravierend ändern.

Beispiel: Übersetzerin Susanne Müller ist nicht umsatzsteuerpflichtig und arbeitet von zu Hause aus. Sie nutzt ihr Auto betrieblich für gelegentliche Geschäfts- und Besorgungsfahrten. Alle betrieblichen Fahrten zeichnet sie über 3 Monate auf und kommt auf 1.260 km. Insgesamt ist sie in dieser Zeit 4.500 km gefahren. Der private Anteil beläuft sich also auf 72 %. Inklusive Abschreibung verursacht ihr Auto 6.000 € Kosten pro Jahr. Die setzt sie ab und bucht zugleich 72 % davon, nämlich 4.320 €, als zu versteuernde Privatentnahme. Somit bleiben unterm Strich 1.680 € steuerlich abzugsfähige Kosten übrig.

Abschreibung Pkw: Die aufwändige Methode durch ein Fahrtenbuch

Nutzen Sie das Auto zu mehr als 50 % betrieblich, reicht dem Fiskus die Schätzung nicht mehr aus. Sie können dann über das gesamte Jahr ein lückenloses Fahrtenbuch führen, um den prozentualen Anteil der Privatfahrten an den Gesamtfahrten zu ermitteln. (Scheuen Sie diesen Aufwand, bleibt nur die Methode 3)

Beispiel: Handwerker Jürgen Kühl hat im Januar 2016 ein Auto für 30.000 € zzgl. 5.700 € USt. gekauft, das er überwiegend für seinen Betrieb einsetzt. Die Vorsteuer holt er sich komplett vom Fiskus zurück. Für das Jahr 2016 setzt er eine Abschreibung von 5.000 € als Kosten an. Zudem laufen 2016 für Sprit, Wartung, Reparaturen, Versicherungen etc. weitere 5.000 € Netto-Kosten auf. Er setzt also insgesamt 10.000 € an Geschäftswagen-Kosten ab. Er macht sich die Mühe, ein Fahrtenbuch zu führen. Nach Jahresende errechnet er, dass er mit dem Auto insgesamt 60.000 km und davon 51.000 km betrieblich gefahren ist. Der prozentuale Anteil der Privatfahrten beträgt also 15 %. Von 10.000 € Netto-Kosten hat er 1.500 € als Privatentnahme zu versteuern und darauf Umsatzsteuer zu zahlen.

 

 

Abschreibung Pkw: Pauschale Lösung durch die 1-%-Methode

Führen Sie bei einem überwiegend betrieblich genutzten Geschäftswagen kein Fahrtenbuch oder erkennt der Fiskus Ihr Fahrtenbuch wegen Aufzeichnungsfehlern nicht an, wird Ihre Privatnutzung pauschal versteuert. Der Fiskus setzt sie pro Monat mit 1 % vom Brutto-Listenneupreis des Autos an.

Beispiel: Führt der Handwerker Jürgen Kühl kein Fahrtenbuch, versteuert er für seine Privatnutzung des Autos monatlich 1 % vom Brutto-Listenneupreis. Der belief sich Anfang 2016 auf 39.600 €. Der Rabatt, den Kühl beim Kauf vom Händler bekam, spielt keine Rolle. 1 % sind 396 €/Monat bzw. 4.752 € im Jahr. Unterm Strich könnte Kühl von den 10.000 € Kosten (=Abschreibung und laufende Kosten) also nur 5.248 € absetzen – 3.252 € weniger als beim Führen eines Fahrtenbuchs.

 

Ihre Berechnung: Fahrtenbuch oder 1-%-Methode?

Faustformel: Je mehr der folgenden 4 Kriterien zutreffen, desto eher wird Ihnen die Fahrtenbuch-Methode eine Steuerersparnis bringen:

Ihr Geschäftswagen

  1. ist bereits vollständig/größtenteils abgeschrieben,
  2. ist ein älteres Modell mit einem hohen Brutto-Listenneupreis,
  3. verursacht nur geringe laufende Kosten,
  4. wird nur in geringem Umfang privat genutzt.

Abschreibung Pkw: Wann Sie Ihre Entscheidung treffen sollten

Das Wahlrecht, die Privatnutzung per 1-%-Methode oder Fahrtenbuch anzusetzen, üben Sie erst durch Einreichen Ihrer Steuererklärung beim Finanzamt aus. Daher gilt:

Haben Sie ein Fahrtenbuch geführt und erkennen Sie nach Jahresende, dass die Berechnung der Privatnutzung nach der 1-%-Methode günstiger für Sie ist, reichen Sie das Fahrtenbuch nicht ein. Die aufwändigen Aufzeichnungen haben Sie dann allerdings umsonst gemacht – was fürs genaue Schätzen und Kalkulieren im Vorfeld spricht. Erkennen Sie erst nach Jahresende, dass Sie mit einem Fahrtenbuch womöglich wesentlich günstiger gefahren wären, ist es für diese Aufzeichnung zu spät.

Denn es ist nicht erlaubt, ein Fahrtenbuch nachträglich zu erstellen. Fehlern kommt der Fiskus leicht auf die Spur. Bei einer Prüfung des Fahrtenbuchs werden Ihre Eintragungen z.B. mit anderen Unterlagen verglichen (Tankquittungen, Werkstattrechnungen, Reisekostenabrechnungen etc.). Ergebensich Unstimmigkeiten, wird der Prüfer Ihr gesamtes Fahrtenbuch als nicht ordnungsgemäß ablehnen – und dann doch die 1-%-Methode ansetzen.

ACHTUNG – am 1. Januar entscheiden:

Die Methode, die Sie wählen, ist einheitlich während des ganzen Wirtschaftsjahrs anzuwenden. Es ist also nicht zulässig, die Privatnutzung z.B. im 1. Halbjahr nach der 1-%-Methode und im 2. Halbjahr per Fahrtenbuch zu bestimmen. An jedem 1. Januar dürfen Sie die Methode wechseln. Auch wenn Sie mitten im Jahr Ihr Fahrzeug austauschen, dürfen Sie für den alten und den neuen Geschäftswagen unterschiedliche Methoden wählen. Wechseln Sie Ihren Geschäftswagen mitten im Monat, gehen Sie so vor:

  • Nutzen Sie sowohl für den alten als auch für den neuen Wagen die 1-%-Methode, setzen Sie in dem Monat des Fahrzeugwechsels die Pauschale für den Geschäftswagen mit dem höheren Brutto-Listenneupreis an.
  • Haben Sie für den alten Wagen ein Fahrtenbuch geführt und wollen den neuen jetzt nach der 1-%-Methode versteuern, setzen Sie die Pauschale schon im Anschaffungsmonat voll an. Das Fahrtenbuch führen Sie noch bis zum Tag des Wechsels.
  • Umgekehrt gilt genauso: Haben Sie für den alten Wagen die 1-%-Methode genutzt und wollen für den neuen jetzt ein Fahrtenbuch führen, setzen Sie die Pauschale noch im Monat der Abschaffung des alten Wagens voll an. Das Fahrtenbuch für den neuen Wagen führen Sie ab dem Tag des Wechsels.

 

Autor_in: Redaktionsteam „selbststaendig.com“

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