Nebenberuflich selbstständig: Darauf müssen Sie achten

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Manchmal kann es passieren, dass der Fiskus Ihre Verluste nicht mehr anerkennt. Begründung: Sie betreiben Ihr Unternehmen gar nicht ernsthaft.

Unter bestimmten Umständen kann es passieren, dass Ihre Tätigkeit, die Sie nebenberuflich selbstständig ausüben, vom Finanzamt als Liebhaberei eingestuft wird.

Der Begriff der „Liebhaberei“ findet sich in keinem Gesetz. Er wurde durch die Rechtsprechung geprägt. Gemeint ist damit eine Tätigkeit, die Sie nicht aus unternehmerischen, sondern aus persönlichen Gründen ausüben.

 

Was unter „Liebhaberei“ zu verstehen ist

Davon geht der Fiskus aus, wenn Sie über mehrere Jahre hinweg Verluste geltend machen (Ihnen wird unterstellt, dass Sie überhaupt nicht die Absicht haben, unternehmerisch zu handeln – nämlich Gewinne zu erzielen) und die Verlusttätigkeit dazu dient, Ihre persönlichen Neigungen zu fördern oder steuerliche Vorteile zu erlangen (z.B. indem ein Gewerbe nur für das eigene Hobby angemeldet wird oder als Steuerspar-Strategie, um die Ausgaben absetzen zu können).

Liebhaberei muss nicht von der Gründung des Unternehmens an bestehen, sondern kann auch erst nach einigen Jahren eintreten.

Bei vielen nebenberuflich selbstständigen Tätigkeiten sind ja Anlaufverluste völlig normal und sprechen nicht gegen eine Gewinnerzielungsabsicht. Investitionen sind nötig, den steuerlichen Abschreibungen stehen noch keine gefestigten Erträge gegenüber. Es dauert seine Zeit, bis ein Kundenstamm aufgebaut ist.

Schließlich kann Liebhaberei auch am Ende Ihrer betrieblichen Laufbahn festgestellt werden – selbst wenn Sie zuvor jahrelang Gewinn gemacht haben. Denn es kommt stets nur auf die Gewinnprognose für die Folgezeit an.

 

Mit welchen Folgen Sie rechnen müssen, wenn das Finanzamt Ihre Firma als Liebhaberei einstuft

 

Verluste werden nicht mehr anerkannt

Wird Ihre nebenberuflich selbstständige Tätigkeit als Liebhaberei eingestuft, berücksichtigt das Finanzamt den Verlust daraus nicht mehr in Ihrem Einkommensteuer-Bescheid.

Sie können ihn also nicht mehr mit eigenen anderen Einkünften (z.B. aus unselbstständiger Arbeit, Vermietung/Verpachtung) oder positiven Einkünften Ihres Ehepartners verrechnen – weder im Verlustjahr selbst noch im Vorjahr (Verlustrücktrag) oder in Folgejahren (Verlustvortrag).

Das gilt ab dem Jahr, für das die Liebhaberei festgestellt wird, und kann auch in die Vergangenheit reichen, sofern Ihre Steuerbescheide noch nicht bestandskräftig geworden sind. Dann müssen Sie mit Steuernachzahlungen rechnen.

 

Einnahmen und Ausgaben werden wie solche von Privatpersonen behandelt

In der Regel werden Sie trotz des Verlusts einige Einnahmen gehabt haben. Diese müssen Sie bei Liebhaberei nicht versteuern. Sämtliche Einnahmen und Ausgaben sind Ihr „Privatvergnügen“ und fallen in den nicht steuerbaren Bereich.

 

Betriebsvermögen

Für den Fall, dass Ihre nebenberuflich selbstständige Tätigkeit von der Gründung an als Liebhaberei behandelt wird, ist kein Betriebsvermögen entstanden. Sie brauchen sich keine Gedanken über die steuerliche Behandlung der Wirtschaftsgüter zu machen, die Sie für Ihre Tätigkeit eingesetzt haben.

Erkennt das Finanzamt Ihr (verlustreiches) Unternehmen in den ersten Jahren an und bemängelt es die fehlende Gewinnerzielungsabsicht erst in einer späteren Phase, stehen Sie vor dem Problem, was mit dem bisherigen Betriebsvermögen passiert.

Durch die Einstufung des Betriebs als Liebhaberei liegt weder eine Entnahme von Wirtschaftsgütern aus dem Betriebsvermögen noch eine Betriebsaufgabe vor (H 139 Abs. 2 EStH).

Problematisch sind jedoch die sogenannten stillen Reserven, das ist der Unterschied zwischen tatsächlichem Wert und Buchwert Ihrer Wirtschaftsgüter. Diese stillen Reserven im Zeitpunkt des Übergangs zur Liebhaberei muss das Finanzamt nach Erörterung mit Ihnen in einem Feststellungsbescheid festhalten (§ 180 AO, § 8 der VO zu § 180 Abs. 2 AO).

Zu versteuern haben Sie die stillen Reserven dann bei tatsächlicher Entnahme aus Ihrem „Unternehmen“ oder bei ausdrücklicher Erklärung der Betriebsaufgabe.

 

Keine Auswirkungen bei der Umsatzsteuer

Umsatzsteuerlich hat die Einstufung Ihres Betriebs als Liebhaberei keine Konsequenzen, sofern Ihre Tätigkeit nachhaltig auf die Erzielung von Einnahmen gerichtet ist – auf die Absicht, Gewinn zu erzielen, kommt es hierbei nämlich nicht an (§ 2 Abs. 1 UStG). Sind Sie umsatzsteuerpflichtig, bleiben Sie das also, bis Sie die nebenberuflich selbstständige Tätigkeit aufgeben.

Das bedeutet, dass es auch bei Ihrer Berechtigung zum Vorsteuerabzug bleibt. Sie brauchen also keine Nachzahlung der gezogenen Vorsteuer zu befürchten.

 

Nebenberuflich selbstständig: So prüft das Finanzamt, ob Ihr Betrieb Liebhaberei ist

Bei nebenberuflich selbstständigen Tätigkeiten, für deren Aufnahme nach der allgemeinen Lebenserfahrung private Motive eine Rolle gespielt haben könnten, müssen Sie schon im 1. oder 2. Verlustjahr mit dem Argwohn Ihres Finanzamts rechnen.

Diese Gefahr ist besonders groß, wenn es sich um nebenberuflich ausgeübte Tätigkeiten handelt, die normalerweise in der Freizeit betrieben werden, z.B. Segeln, Erfinden, Malen oder ehrenamtliche Tätigkeiten.

Bei vielen Gewerben und freiberuflichen Berufen bleiben Sie in der Regel bis zu 5 Verlustjahre lang von Nachfragen des Finanzamts verschont.

 

7 Angaben, die Ihre Position gegenüber dem Finanzamt stärken

Als Anzeichen dafür, dass Sie nebenberuflich selbstständig Gewinn erzielen wollen, wird das Finanzamt die folgenden Antworten und Unterlagen werten:

  1. Sie reichen einen – ggf. anhand Ihrer aktuellen Situation überarbeiteten oder neu zu erstellenden – Business-Plan ein. Geben Sie sich damit Mühe, und legen Sie einen gesunden Optimismus an den Tag. Berechnen Sie darin die voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben der nächsten Jahre. Erläutern Sie Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung und Ihre persönliche Qualifikation. Schildern Sie die Konkurrenzsituation und die geplanten Marketing-Maßnahmen. Schätzen Sie Ihre Entwicklungschancen ein.

 

  1. Sie haben ein Warenlager angelegt und Artikel in größeren Stückzahlen eingekauft – die Sie nicht sinnvoll alle für sich selbst verwenden könnten. Das spricht dagegen, dass Sie das Gewerbe nur angemeldet haben, um Ihr Hobby besser zu finanzieren.

 

  1. Sie haben erhebliche Ausgaben für Werbung gehabt oder geplant – solche Kosten würde jemand scheuen, der nicht wirklich Gewinn machen will.

 

  1. Sie haben große Anstrengungen zur Verringerung Ihres Verlusts unternommen, etwa die Öffnungszeiten verlängert, um neue Kundengruppen zu erreichen, einen Geschäftskredit durch ein zinsloses Darlehen seitens eines Verwandten abgelöst, ggf. Personal entlassen oder einen Unternehmensberater beauftragt.

 

  1. Bei der Tätigkeit handelt es sich um Ihren Hauptberuf.

 

  1. Sie haben sich betriebswirtschaftlich weitergebildet, z.B. durch Kurse bei Ihrer IHK. Reichen Sie die Teilnahmebestätigungen mit ein.

 

  1. Es gab besondere/unvorhersehbare Umstände, die zu Ihren Verlusten geführt haben, z.B. eine Baustelle vor Ihrem Geschäftslokal oder eine längere Krankheit. Erläutern Sie dem Finanzamt solche Umstände.

 

 

Autor_in: Redaktionsteam „selbststaendig.com“

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