Die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) – Ihre wichtigste Steuer

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Als Selbstständiger sind Sie verpflichtet, Ihre Bücher ordnungsgemäß zu führen, sodass die Lage Ihres Vermögens stets ersichtlich gemacht werden kann. So steht es in § 238 des Handelsgesetzbuches, und so verlangt es das Finanzamt. Je höher Ihre Umsätze sind, um so komplizierter wird die Buchführung, sodass ab einer gewissen Umsatzhöhe das Hinzuziehen eines Steuerberaters unumgänglich ist.

Bei einem jährlichen Umsatz von 500.000 bzw. 600.000 Euro (je nach Gründungsjahr) bzw. einem Gewinn von 50.000 bzw. 60.000 Euro sind Sie verpflichtet, mit der doppelten Buchführung zu arbeiten. Dabei werden mehrere Konten angelegt, die miteinander abgeglichen werden müssen.

 

Die IHK Bonn erklärt die Voraussetzungen für die doppelte Buchführung in Ihrer Broschüre ganz übersichtlich. Sie sind zur doppelten Buchführung verpflichtet,

  1. (wenn) der Jahresumsatz maximal 500.000 Euro (für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen maximal 600.000 Euro – Bürokratieentlastungsgesetz) beträgt
  2. und der Jahresgewinn bei maximal 50.000 Euro (für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen maximal 60.000 Euro -Bürokratieentlastungsgesetz) liegt
  3. und sie nicht nach anderen Gesetzen, als nach den Steuergesetzen verpflichtet sind, Bücher zu führen (beispielsweise wegen der Eintragung in das Handelsregister).

 

Wer weniger Umsatz oder Gewinn macht bzw. als Freiberufler agiert, der muss nur eine Einnahmenüberschussrechnung gem. § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz machen. Das ist wesentlich einfacher und kann auch selbst erledigt werden. Das Ziel der EÜR ist es, den jährlichen Gewinn als Summe von Einnahmen und Ausgaben ermitteln zu können.

 

Ein eingetragener Kaufmann kann eine EÜR machen, wenn er die Umsatz- und Gewinngrenzen nicht überschreitet. Sind Sie jedoch im Handelsregister eingetragen, dann gilt das für Sie nicht.

 

Übrigens: Natürlich können Sie sich freiwillig für eine Bilanzierung entscheiden. Dann haben Sie Ihre Finanzen für die Liquiditäts- und Finanzplanung besser im Blick und können unter anderem geplante Investitionen schon im Voraus zu einem gewissen Teil als Teilwertabschreibung geltend machen.

 

 

Was ist die Einnahmenüberschussrechnung?

 

Die EÜR ist die einfachste Methode der Gewinnermittlung. Dabei werden alle Einnahmen und Ausgaben gemeinsam erfasst, und zwar entweder elektronisch oder in Papierform in einem Journal. Damit die EÜR für das Finanzamt Gültigkeit hat, müssen die Aufzeichnungen bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

 

  • Alle geschäftlichen Vorgänge der Firma werden chronologisch und lückenlos erfasst.
  • Die Aufzeichnungen erfolgen tabellarisch.
  • Alle Vorgänge werden mit einer Nummer, dem Datum, dem Betrag, einer Erläuterung, der Kontierung und dem Verweis auf einen Beleg versehen.
  • Die wichtigste Regel lautet: Keine Buchung ohne Beleg!

 

Als Kleinunternehmer mit einem Jahresumsatz von unter 17.500 Euro darf auch eine formlose Gewinnrechnung erstellt werden.

 

Welche Regeln gibt es für das Erstellen einer Einnahmen- Überschussrechnung?

 

Bei der EÜR gibt es eine Menge zu beachten. Die wichtigsten Regeln sind folgende:

  • Es gilt das Zu- und Abflussprinzip. Einnahmen und Ausgaben dürfen erst verbucht werden, wenn sie auf dem Konto eingegangen oder vom Konto abgegangen sind.
  • Regelmäßig wiederkehrende Ausgaben wie Versicherungsbeiträge, Pachten, Mieten oder Gehälter gehören auch dann noch zum entsprechenden Jahr, wenn sie zehn Tage vor oder nach dem Steuerjahr bezahlt werden.
  • Wenn Sie umsatzsteuerpflichtig sind, müssen Sie die Einnahmen und Ausgaben netto verbuchen. Die Umsatzsteuer wird separat ausgewiesen.
  • Als Kleinunternehmern gilt für Sie: brutto wie netto. Sie geben den Gesamtbetrag Ihrer Einnahmen und Ausgaben in der Aufstellung zur EÜR an.
  • Die Umsatzsteuervorauszahlung für den Monat Dezember bzw. für das vierte Quartal muss bis zum 10. des folgenden Jahres abgeführt werden. Sie wird dann im alten Jahr als Betriebsausgabe abgesetzt. Verspäten Sie sich jedoch mit der Zahlung und geht diese nach dem 10. Januar ein, so ist es keine regelmäßig wiederkehrende Ausgabe mehr (BFH-Urteil vom 11.11.2014, VIII R 34/12). Hier gilt es also, pünktlich zu sein.
  • Eventuell müssen Sie ein Kassenbuch, ein Wareneingangs- und Warenausgangsbuch sowie ein Verzeichnis über Ihre Anlagegüter führen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Finanzamt oder Steuerberater.
  • Sie sind zur vereinfachten Buchhaltung berechtigt? Dann geben Sie mit Ihrer Einkommensteuererklärung einfach die dreiseitige Anlage EÜR ab. Das Formular finden Sie online.

 

 

Was zählt alles zu den Einnahmen und Ausgaben?

Ihre Einnahmen und Ausgaben sollten Sie stets im Überblick haben. Hierfür ist das Erstellen einer Excel Tabelle hilfreich. Es gibt jedoch auch Software von verschiedenen Anbietern, die direkt mit Ihren Konten wie Bankkonto, Kreditkarte und Paypal verbunden werden kann. So verpassen Sie keine Buchung mehr. Bedenken Sie bei jeder Methode jedoch: Keine Buchung ohne Beleg. Auch das Führen einer Tabelle entbindet nicht davon. Bei der elektronischen Speicherung müssen die entsprechenden Dokumente ebenfalls hinterlegt werden.

Kurz gesagt:  Die Grundsätze der ordnungsgemäßen Buchführung sind stets zu wahren.  Sie müssen alle Einnahmen und Ausgaben durch entsprechende Rechnungen, Quittungen und Belege beweisen können.

 

Zu den Betriebsausgaben zählen unter anderem:

  • Wareneinkäufe
  • Inanspruchnahme von Dienstleistungen
  • Abschreibungen
  • Telefon- und Internetkosten
  • Kosten für Werbung
  • Löhne und Gehälter (Übrigens: Der eigene Unternehmerlohn ist steuerlich nicht abzugsfähig.)
  • Mietkosten für Büro, Praxisräume, Ladengeschäft
  • die Kosten für das heimische Arbeitszimmer
  • im laufenden Jahr angefallene Umsatzsteuer
  • Kosten der Bewirtung
  • Kosten für Weiterbildung, Kurse, Seminare
  • Versicherungen
  • Porto und Büromaterial
  • Reisekosten
  • Kosten für das Auto
  • angefallene Zinsen

 

Zu den Betriebseinnahmen zählt auch die private Nutzung von Betriebseigentum, zum Beispiel Auto, Telefon und Internetanschluss. Achten Sie auf die Umsatzsteuer, falls Sie kein Kleinunternehmer sind.

 

 

Wie lange müssen die entsprechenden Dokumente aufbewahrt werden?

Die meisten steuerlichen Unterlagen müssen Sie 10 Jahre lang aufbewahren, manche nur 6 Jahre. Näheres ist in § 257 HGB und § 147 AO geregelt. Für ein privates Konto, das auch für die Verbuchung von geschäftlichen Angelegenheiten benutzt wird, gilt die gleiche Aufbewahrungspflicht wie für Geschäftskonten.

 

Dürfen Dokumente elektronisch gespeichert werden?

Grundsätzlich ist es heute erlaubt, steuerliche Dokumente, Rechnungen und Quittungen auch elektronisch aufzubewahren. Das gilt aber nicht für Jahresabschlüsse, Ihre Eröffnungsbilanz oder Zollunterlagen. Diese müssen stets im Original aufbewahrt werden.

Es gibt jedoch bei der elektronischen Archivierung einige Regeln. Die Dokumente müssen so gespeichert werden, dass sie jederzeit zugänglich sind, also zum Beispiel schnell ausgedruckt werden können.  Fotokopien und Mikrofilm reichen nicht mehr aus, denn die gespeicherten Daten müssen maschinell ausgewertet werden können. Sinnvoll ist die Speicherung auf Speicherung auf Festplatten, CD-ROM, Magnetbändern oder optischen Platten.

 

 

Die Umsatzsteuer: Mehrwertsteuer und Vorsteuer

Wenn Sie kein steuerlicher Kleinunternehmer sind, ist das Thema Umsatzsteuer für Sie von großer Bedeutung. Denn Sie müssen regelmäßig eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben und die Umsatzsteuer unaufgefordert abführen, was entweder monatlich, quartalsweise oder jährlich fällig anfällt. Der Turnus hängt von der Höhe der Umsätze ab und wird vom Finanzamt festgelegt.

 

Die Höhe der Umsatzsteuer ergibt sich aus der Differenz zwischen vereinnahmter Mehrwertsteuer und investierter Vorsteuer. Die Mehrwertsteuer fällt auf alle Beträge an, die Sie Kunden in Rechnung stellen. Die Vorsteuer ist auf den Belegen ausgewiesen, wenn Sie etwas bezahlt haben. Auf die meisten Umsätze fallen 19 % Mehrwertsteuer an, manchmal jedoch auch 7 % oder 0 %.

 

 

Was ist für die EÜR sonst noch wichtig?

Es gibt einige weitere Punkte, die für eine korrekte EÜR von Belang sind.  Dazu zählen unter anderem folgende Fragen:

  • Wie werden Kredite bei der EÜR behandelt?
  • Wie gehen Sie korrekt mit Sacheinlagen um?
  • Wie werden Privatausgaben kontiert?
  • Was sind Bestandsveränderungen, und wie wirken sie sich aus?

 

Diese Fragen werden in kommenden Artikeln behandelt. Hilfe für die Erstellung der EÜR gibt es online z.B. beim Finanzamt.

 

Autor_in: Redaktionsteam „selbststaendig.com“

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