Nebenberuflich selbstständig: 5 Facts im Blick

© unsplash | Andrew Neel

Die einen sehen es als Testlauf, um endlich den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, andere nutzen eine nebenberufliche Selbstständigkeit, um das Hobby zum Beruf zu machen. Egal, was der jeweilige Beweggrund ist, einige Dinge sind immer gleich. In diesem Artikel lesen Sie 5 Facts rund um die nebenberufliche Gründung. Was bedeutet eigentlich nebenberuflich selbstständig und welche Dinge sind im Hinblick auf Krankenkasse, Rentenversicherung und Steuererklärung zu beachten?

Fact 1: Was zeichnet eine nebenberufliche Selbstständigkeit aus?

Wer sich nebenberuflich selbstständig machen will, darf vor allem eine Sache nicht aus den Augen verlieren: Dass die Selbstständigkeit wirklich nur neben dem eigentlichen Beruf – meistens einer Angestelltentätigkeit – ausgeübt wird. Das bedeutet, dass die selbstständige Tätigkeit einige wesentliche Kriterien erfüllen muss:

  • Der zeitliche Umfang darf nicht mehr als 20 Stunden die Woche einnehmen
  • Die nebenberufliche Arbeit ist nicht Ihre Hauptfinanzierungsquelle
  • Den Erwerbsmittelpunkt stellt nach wie vor der „Hauptberuf“ dar

Nur wer wirklich mehr Zeit mit seiner hauptberuflichen Arbeit verbringt und dort auch mehr Geld verdient, kann sichergehen, dass der selbstständige Nebenjob nicht zum Erwerbsmittelpunkt wird. Das ist insbesondere im Hinblick auf die Sozialversicherungsbeiträge von großer Relevanz, wie Sie in Fact 3 ausführlich nachlesen können.

Fact 2: Darf ich mich überhaupt nebenberuflich selbstständig machen?

Noch bevor es an Sozialversicherung und Steuern geht, sollten Sie einen weiteren Aspekt in Ihre Planung miteinbeziehen: Was wird Ihr Arbeitgeber überhaupt von der nebenberuflichen Tätigkeit halten? In vielen Arbeitsverträgen sind bereits Klauseln zu Nebenjobs zu finden. In aller Regel bedürfen sie einer Genehmigung. Wollen Sie sich nebenberuflich selbstständig machen, ist das jedoch kein herkömmlicher Nebenjob, sondern eine verantwortungsvolle und mitunter fordernde Tätigkeit.

Wichtiger Hinweis: Hier gilt die Devise: Seien Sie Ihrem Arbeitgeber gegenüber aufrichtig! Informieren Sie ihn über Ihre Pläne und holen Sie sich am besten schriftlich ein offizielles „Ok“ ein. Nur so umgehen Sie eventuelle spätere Schwierigkeiten.

Was für Ihren Arbeitgeber von großer Relevanz ist, ist der Auslastungsgrad. Also die Tatsache, wie sehr Ihr Nebenjob Sie fordert. Können Sie bei Ihrem Hauptberuf nicht mehr volle Arbeitsleistung bringen bzw. schränkt Ihre Selbstständigkeit Ihre Performance bei Ihrer hauptberuflichen Tätigkeit ein, wird das negative Konsequenzen haben.

Tipp: Bereiten Sie sich in jedem Fall auf etwaige Gegenargumente Ihres Arbeitgebers vor, die in eine solche Richtung abzielen. Stellen Sie Ihre Strategie vor und legen Sie dar, weshalb Sie beide Tätigkeiten ohne Leistungsabfall nebeneinander ausführen können.

 

Je nach Branche kann es auch sein, dass Sie sich durch spezielle Zusatzklauseln verpflichten müssen, Ihrem bisherigen Arbeitgeber keine Konkurrenz zu machen. Das ist eine verständliche Sorge Ihres Arbeitgebers, der Sie durch einen respektvollen Umgang Rechnung tragen können.

Fact 3: Nebenberuflich selbstständig – unbedingt die Krankenkasse informieren

Haben Sie von Ihrem Arbeitgeber ein Go zur nebenberuflichen Existenzgründung erhalten, geht es nun noch darum, administrative Aufgaben zu erledigen. Der erste Weg führt zur Krankenkasse. Informieren Sie Ihre Krankenkasse über die nebenberufliche Selbstständigkeit. In aller Regel werden Sie gebeten, einen umfassenden Auskunftsbogen auszufüllen. Angaben müssen Sie unter anderem zu diesen Punkten machen:

  • Finanzielles: Geplanter Umsatz des neuen Unternehmens, Verdienst im Hauptberuf sowie Angaben zum Gründungszuschuss, falls Sie diesen beantragt haben.
  • Arbeitszeit: Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrer hauptberuflichen sowie Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit?
  • Persönliche Angaben: Zum Familienstand, zum Einkommen des Ehepartners sowie zu Kindern

Auf Basis Ihrer Angaben, die selbstverständlich der Wahrheit entsprechen müssen, wird Ihre Krankenkasse dann beurteilen, ob Sie sich separat versichern müssen bzw. ob sie wegen Ihrer Selbstständigen Tätigkeit nicht mehr pflichtversichert sein können. Ist Ihre Selbstständigkeit tatsächlich nebenberuflich und nicht der Erwerbsmittelpunkt, so reicht die bisherige Krankenversicherung in aller Regel aus.

Tipp: Informieren Sie sich vorab bei Ihrer Krankenkasse über etwaige Grenzbeträge. Mitunter kann es sinnvoll sein, der selbstständigen Tätigkeit in einem geringeren Umfang nachzugehen, aber dafür deutlich geringere Sozialabgaben zu zahlen. Hier sollten Sie vorab genau überlegen, wie sehr Ihnen die Selbstständigkeit neben dem eigentlichen Beruf am Herzen liegt.

Fact 4: Steuerliche Aspekte der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Im Hinblick auf die Besteuerung ist es nicht weiter relevant, ob Sie nebenberuflich selbstständig sind oder einer selbstständigen Tätigkeit auf hauptberuflicher Basis nachgehen. In der Steuererklärung müssen Sie alle Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit angeben, die die Einkommensteuerzahlungen dann entsprechend nach oben korrigieren.

Was für nebenberuflich Selbstständige interessant sein könnte, ist die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG. Denn: Mit dieser steuerrechtlichen Besonderheit gehen für all diejenigen, deren Jahresumsatz unter 17.500 Euro liegt, einige Vorteile einher. Kleinunternehmer weisen auf ihrer Rechnung keine Umsatzsteuer aus und müssen dementsprechend auch keine Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt machen. Das erspart administrativen Aufwand. Wer also nebenberuflich selbstständig ist und naturgemäß (aufgrund der Beschränkung auf maximal 20 Arbeitsstunden pro Woche) geringere Umsatzzahlen hat, kann die Kleinunternehmerregelung für sich beanspruchen.

Fact 5: Wie mache ich mich nebenberuflich selbstständig?

Wie Sie sich nebenberuflich selbstständig machen, hängt in erster Linie davon ab, welchem Beruf Sie im Rahmen Ihrer Selbstständigkeit nachgehen möchten. Gehört Ihre selbstständige Tätigkeit zu den „Katalogberufen“ (z.B. Rechtsanwalt, Architekt, Journalist) nach § 18 des Einkommensteuergesetzes (EStG), gelten Sie als Freiberufler. Das hat den Vorteil, dass Sie keine Gewerbesteuer entrichten und auch nicht Mitglied einer entsprechenden Kammer werden müssen. Alles, was Sie dann noch tun müssen, um Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit anzumelden, ist den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt auszufüllen.

Dieser Bogen ist ebenfalls die Grundlage für all diejenigen, die ein Gewerbe anmelden möchten. Hier kommt jedoch noch ein weiterer administrativer Schritt hinzu – der Besuch beim zuständigen Gewerbeamt. Gegen eine verhältnismäßig geringe Verwaltungsgebühr können Sie Ihr Gewerbe in der Stadt oder der Kommune anmelden und danach Ihre Tätigkeit aufnehmen.

Nebenberuflich selbstständig: Vor- und Nachteile im Abriss

Sind alle Weichen gestellt – Ok vom Arbeitgeber, Krankenkasse sowie Anmeldung beim Finanzamt – kann es losgehen. Dann gibt es eigentlich kaum noch markante administrative Unterschiede zur hauptberuflichen Selbstständigkeit: Sie müssen korrekt Buch führen, Rechnungen mit allen Pflichtangaben ausstellen und alle weiteren formalen Besonderheiten beachten.

Dennoch unterscheidet sich die nebenberufliche Selbstständigkeit von der hauptberuflichen – insbesondere, was das Finanzielle angeht. Viele, die nebenberuflich gegründet haben, schätzen die Sicherheit. Denn: Für eine gewisse Grundabsicherung sorgt nach wie vor der Hauptberuf. Sie sind also in der ersten Zeit nicht darauf angewiesen, schnell Gewinn zu machen, sondern können Ihr Business langsam, aber stetig zum Erfolg führen.

Nicht unterschätzen sollten Sie jedoch die Doppelbelastung. Eine hauptberufliche Tätigkeit, Privatleben und die Selbstständigkeit unter einen Hut zu bringen, kann äußerst fordernd sein. Nicht selten entscheiden sich deshalb viele nebenberuflich Selbstständige, alles auf eine Karte zu setzen: Entweder Angestelltendasein oder die Selbstständigkeit – ohne Kompromisse.

 

Autor_in: Johanna Wirsing

* Selbstverständlich können Sie den Gratis-Ratgeber auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.

Copyright © 2019 selbststaendig.com. Impressum | Datenschutz