Gründen aus dem Studium: Selbstständig als Student

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Gründen aus dem Studium: Selbstständig als Student - das ist wichtig. Beratungsangebote zur Unternehmensgründung im Studium & Co

Gründen aus dem Studium: So klappt der Sprung in die Selbstständigkeit

Gründen aus dem Studium heraus oder sogar noch währenddessen: Eine Idee, die sich zunehmend großer Beliebtheit erfreut. Einer Studie von Campusjäger zufolge können sich 56,7 % der Studenten vorstellen, einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen, 13,5 % sogar noch während des Studiums. Trotz der generellen Gründungsbereitschaft gaben 66,5 % der Befragten an, dass ihnen noch das notwendige Know-how zur erfolgreichen Unternehmensgründung fehlt. In diesem Artikel lesen Sie, was Sie bei der Gründung aus dem Studium beachten sollten und welche Unterstützungsangebote Sie wahrnehmen können, um als Student den Sprung in die Selbstständigkeit erfolgreich zu meistern.

Unternehmensgründung im Studium: Vorteile im Fokus

Eine Unternehmensgründung noch im Studium vorzunehmen, liegt für viele Studierende nahe. Denn: Anstatt einen „typisch“ studentischen Nebenjob oder eine Werkstudentenstelle anzutreten, lassen sich auch die eigenen Fähigkeiten und bisher erworbenes Wissen nutzen, um sich den Alltag zu finanzieren. Angenehmer Nebeneffekt: Oftmals sind selbstständige oder freiberufliche Tätigkeiten wesentlich besser bezahlt als der Hiwi-Job an der Uni oder die Aushilfstätigkeit im Supermarkt an der Kasse.

Doch auch jenseits der monetären Anreize bietet eine Gründung aus dem Studium heraus besondere Vorzüge, die andere Existenzgründer in diesem Maße nicht nutzen können. Stichwort: Krankenversicherung. Wer als Student nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, kann sich bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs familienversichern. Auch nach dem 26. Geburtstag profitieren immatrikulierte Studenten von speziellen Krankenkassentarifen, die wesentlich günstiger ausfallen als eine private oder eine freiwillig gesetzliche Krankenversicherung.

Achtung: Gründen aus dem Studium heraus ist jedoch auch mit einem finanziellen Nachteil verbunden. In den Genuss des Gründungszuschusses der Agentur für Arbeit kommen nur Personen, die Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Das ist bei Studierenden nicht der Fall, weshalb sie diese finanzielle Anschubhilfe nicht nutzen können.

Gründen im Studium: Fachliches Wissen vertiefen und Softskills aneignen

Wer ernste Absichten hat, die Selbstständigkeit auch nach dem Studium weiterzuführen, genießt einen weiteren Vorteil. Bereits im Studium – wenn die Absicherung zumeist noch durch die Eltern oder BAföG gewährleistet ist – lassen sich wertvolle Erfahrungen aus unterschiedlichsten Bereichen sammeln:

  • Konzept- und Strategieerstellung
  • Businessplan
  • Kundenakquise und -kontakt
  • Praxiserfahrung und fachliche Kompetenz

Auch abseits von unternehmerischen Fähigkeiten eignen sich Studierende, die nebenberuflich selbstständig sind, wichtige Softskills an. Von Zeitmanagement bis hin zum eigenständigen Arbeiten bietet eine Selbstständigkeit zahlreiche Möglichkeiten, wichtige Kompetenzen für das „echte“ Berufsleben zu erwerben.

Sollte sich herausstellen, dass die Selbstständigkeit doch nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, ist das gerade beim Gründen aus dem Studium heraus das kleinste Problem für den Lebenslauf. Vor dem eigentlichen Berufsstart müssen Episoden der Selbstständigkeit nicht zwangsläufig im CV auftauchen. Und selbst wenn sie es tun, ist ein Scheitern kein Zeichen von Schwäche, sondern gibt dem HR-Verantwortlichen vielmehr einen Einblick in das, was Sie bisher geleistet haben.

Gründen aus dem Studium: Vorbereitung ist alles

Um jedoch nicht vollkommen ins Blaue hinein zu gründen und bereits die Weichen für eine erfolgreiche Gründung zu stellen, ist es ratsam, sich eingehend vorzubereiten. Einen ersten Überblick verschaffen Sie sich online: Je nach Branche bietet es sich an, beim Online-Auftritt des jeweiligen Berufsverbandes oder der zuständigen Kammer vorbeizuschauen. Dort erhalten Sie fundierte Infos.

Informationen rund um die Existenzgründung bekommen Sie ebenfalls bei der regionalen Wirtschaftsförderung. Die meisten Städte, Kommunen und Landkreise stellen mittlerweile nicht nur im Internet einen umfassenden Überblick bereit, sondern bieten auch persönliche Sprechstunden und Erstberatungen an, die zumeist kostenfrei sind – ein enormer Vorteil für das studentische Budget.

In vielen Universitäten gibt es zudem studentische Gruppierungen, die sich mit der Thematik rund um das Gründen beschäftigen. Ein weiterer Ansprechpartner ist auch der Bundesverband Deutsche Startups e. V., der mit unterschiedlichen Regionalgruppen ebenfalls vor Ort vertreten ist. Auch Messen und Konferenzen bieten eine gute Möglichkeit, um sich initial zu informieren und bereits erste wichtige Kontakte zu knüpfen.

Netzwerken: Warum Networking so wichtig ist

Wer sich selbstständig machen möchte – und dabei ist es unerheblich, ob die Gründung aus dem Studium oder aus einer Anstellung heraus erfolgt – benötigt ein breit aufgestelltes Netzwerk. Insbesondere jüngere Personen, die den Großteil ihrer Zeit mit dem Studium verbringen, haben meist noch wenig Business-Kontakte. Anders ist das bei all denjenigen, die bereits Berufserfahrung gesammelt und im Rahmen dessen Kontakte knüpfen konnten.

In Sachen Networking sollten Sie aktiv werden – und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich virtuell, persönlich oder über gemeinsame Bekannte zu vernetzen:

  • Gruppen in Job-Netzwerken: In der Online-Welt bieten sich vor allem branchenspezifische Gruppen in Netzwerken wie Xing oder LinkedIn an. Auch bei Facebook gibt es die einen oder anderen Gruppen, die sich mit berufsrelevanten Themen auseinandersetzen. Werden Sie dabei sichtbar! Lesen Sie nicht nur still mit, sondern stellen Sie sich in der virtuellen Runde vor und kommentieren bzw. kommunizieren Sie proaktiv.
  • Besuch von regionalen Veranstaltungen: In vielen Städten gibt es Existenzgründertreffen, wo Sie Gleichgesinnte treffen können. Solche Netzwerktreffen bieten nicht nur Raum für wertvolle Kontakte, sondern auch für einen produktiven Austausch. Welcher Steuerberater ist empfehlenswert? Welche Buchhaltungssoftware lässt sich kostengünstig nutzen?
  • Fachmessen und Fachveranstaltungen: Kontakte in die Branche knüpfen Sie ebenfalls auf Fachmessen: Egal, ob Schreinermesse, Barcamp für IT-Affine oder Marketer-Tage.

Kurzum: Networking ist ebenso wichtig wie die Informationsbeschaffung vor der Gründung. Nur wenn Sie potenzielle Kunden kennen bzw. kennenlernen, die Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen möchten, ist der Erfolg Ihres Unternehmens gesichert.

Studentische Gründung: Das richtige Timing

Eine allgemeingültige Timing-Formel für die Gründung aus dem Studium heraus gibt es nicht, denn schließlich hat jedes Gründungsvorhaben einen anderen Hintergrund. Während die einen sich erst selbstständig machen und dann auf Akquise gehen, kann es sein, dass bei anderen Gründern zunächst ein Interessentenkreis besteht, woraufhin schließlich eine Selbstständigkeit angedacht wird.

Fest steht jedoch, dass Sie erst für andere tätig werden sollten, wenn alle Formalia geklärt sind. Logisch: Eine Rechnung können bzw. dürfen Sie erst ausstellen, wenn Sie Ihr Unternehmen bzw. Ihre Tätigkeit beim Finanzamt angemeldet haben. Diese drei Schritte sollten Sie daher in jedem Fall sukzessive durchlaufen:

1. Informationen einholen

Wie einleitend erklärt, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um sich grundlegende Infos rund um die Selbstständigkeit zu beschaffen. Klären Sie initial die wichtigsten Fragen: Möchten Sie neben dem Studium ein Gewerbe anmelden oder freiberuflich arbeiten? Wenn Sie gemeinsam mit Kommilitonen eine Unternehmensgründung vorbereiten, lohnt es sich auch, zu überlegen, welche Rechtsform für Ihre Firma infrage kommt (OHG, GbR etc.).

Tipp: Viele Steuerberater bieten für studentische Gründer eine kostenlose Erstberatung an. Die oben genannten Fragen und auch die sogenannte Kleinunternehmerregelung können Sie im Rahmen dieses Gespräches thematisieren.

2. Formalia erledigen

Sind Sie sich soweit im Klaren, welche Art der Selbstständigkeit Sie neben dem Studium aufnehmen wollen, müssen Sie Ihre Firma anmelden. Eine Gewerbeanmeldung ist beim zuständigen Gewerbeamt gegen eine geringe Verwaltungsgebühr und ohne großen Aufwand zu erledigen. Sinnvoll ist es zudem, die Krankenkasse über die Selbstständigkeit zu informieren. Auch hier kommt in aller Regel ein Fragebogen auf Sie zu, den Sie wahrheitsgemäß ausfüllen müssen. Schlussendlich müssen Sie noch den steuerlichen Erfassungsbogen vom Finanzamt ausfüllen. Ist dieser bearbeitet, bekommen Sie eine Steuernummer zugeteilt, die zu den Pflichtangaben auf einer Rechnung gehört.

Achtung: Die Steuernummer ist nicht dasselbe wie die Steuer-ID. Während das Finanzamt die Steuernummer an jede steuerpflichtige natürliche oder juristische Person auf Antrag hin ausgibt, besitzt seit 2008 jeder in Deutschland gemeldete Bürger eine Steuer-ID.

3. Akquise, Werbung und Arbeit

Alle steuer- und sozialversicherungspflichtigen Belange sind geklärt? Dann kann es auch schon mit dem Unternehmeralltag losgehen. Denken Sie daran: Eine nebenberufliche Selbstständigkeit darf den Zeitaufwand von 20 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Tut sie das, rückt das Studium in den Hintergrund und die Selbstständigkeit wird zu Ihrer Hauptaufgabe. Das macht sich schlussendlich auch an den Krankenkassenaufwendungen bemerkbar: Wer regelmäßig mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, gilt nicht mehr als Student und kann entsprechende reduzierte studentische Krankenkassentarife nicht mehr wahrnehmen.

Je nach persönlicher Situation weicht die Verteilung von Akquise- und Werbemaßnahmen sowie der eigentlichen Arbeit individuell ab. Sinnvoll ist es dennoch, einige grundlegende Dinge zu beschaffen bzw. zu organisieren. Es muss keine aufwendige Firmen-Webseite oder ein Werbeschild an der Wand sein: Visitenkarten gehören jedoch zu den Klassikern unter den Werbeträgern. Sie sind erschwinglich und reißen kein allzu großes Loch in das studentische Budget. Gleichzeitig erweisen Sie sich bei Networking-Events als sinnige Ergänzung, um die Vorstellung der eigenen Person abzurunden – und im Gedächtnis des Gegenübers zu bleiben.

Fazit: Gründen aus dem Studium als Möglichkeit mit Potenzial

Zum Wintersemester 2017/18 waren einer Erhebung von Statista zufolge 2.844.978 Studierende an Deutschlands Hochschulen eingeschrieben. Immerhin mehr als die Hälfte der Studenten kann es sich vorstellen, einmal selbst ein eigenes Unternehmen zu gründen. Zu den Beweggründen zählt die Motivation, selbst etwas Neues aufzubauen, sich selbst der eigene Chef sein und auch etwas in der Welt bewegen zu können. Den Traum vom eigenen Unternehmen noch während der eigenen Studienzeit zu realisieren, kommt allerdings nur für jeden Achten in Betracht.

Doch gerade die Gründung aus dem Studium heraus erweist sich als echte Alternative zu einem „herkömmlichen“ Berufsstart bzw. zu einer studentischen Nebenbeschäftigung. Denn: Der formelle Aufwand für die Unternehmensgründung ist gut zu bewältigen. Zahlreiche universitäre und außeruniversitäre Beratungsangebote stellen eine gute Basis für Studierende dar.

Und zu guter Letzt soll auch das Finanzielle nicht unausgesprochen bleiben: Wer bereits im Studium gründet, hat nicht den Druck, vom eigenen Business leben zu müssen. Im jungen Alter spielen Kreditraten für das Eigenheim, die bezahlt werden müssen, keine Rolle. Auch der studentische Lebensstandard ist verhältnismäßig gering. Wirft das Unternehmen also nicht den gewünschten Gewinn ab, entsteht in aller Regel keine existenzbedrohende Situation. Viele gute Gründe, die dafür sprechen, es einfach einmal zu versuchen!

 

Autor_in: Johanna Wirsing

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