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Einzelunternehmen – das müssen Sie beachten

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Man on top of the stairs

Sie möchten ein Einzelunternehmen gründen? Hier erfahren Sie alles über mögliche Rechtsformen, Tipps und Tricks bei der Firmierung und die Eintragung im Handelsregister. Eine Übersicht über Vor- und Nachteile des Einzelunternehmens verschafft dir sofort Klarheit. Und: Was gilt bei der Besteuerung und der Geschäftsaufgabe? Alle Infos erhalten Sie hier!

Mit Ihrer Existenzgründung wählen Sie die passende Rechtsform für Ihre neue Firma. Wer nicht gleich 25.000 Stammkapital € für eine GmbH aufbringen möchte, entscheidet sich meist für das Einzelunternehmen.

Definition: Was ist ein Einzelunternehmen?

Das Einzelunternehmen ist in Deutschland die mit Abstand beliebteste Rechtsform, mit der Existenzgründer in ihre Selbstständigkeit starten. Wer allerdings von Beginn an ein größeres Unternehmen starten möchte oder es plant, wählt überwiegend die GmbH (www.selbststaendig.com/gmbh). Mit 42 % liegt die GmbH etwa beim produzierenden Gewerbe und in der Dienstleistungsbranche bei der Wahl der Rechtsform ganz vorn (www.destatis.de). Die Einzelfirma folgt mit 25 % auf Platz zwei. Und das hat seinen Grund.

Die Merkmale eines Einzelunternehmens

Es gibt drei Arten von Einzelunternehmen: die Kaufleute, die Freiberufler und die Landwirte. Jeder Gewerbetreibende kann ein Kaufmann, ein Einzelunternehmer sein. Wer Waren herstellt, mit Produkten handelt und verkauft oder Dienstleistungen vermittelt, betreibt ein Gewerbe. Dazu gehören demnach Einzelhändler, Handwerksbetriebe und Makler.

Einzelunternehmen – so leicht geht die Gründung

Viele Existenzgründer starten als Einzelunternehmer und beginnen als Kleingewerbetreibender (www.selbststaendig.com/kleingewerbetreibende) ihre Karriere als Unternehmer. Als deutscher Staatsbürger und alleiniger Inhaber melden Sie Ihr Gewerbe beim Gewerbeamt (www.selbststaendig.com/gewerbeamt) einfach an – und schon haben Sie ein Einzelunternehmen gegründet. Und als Kleingewerbetreibender brauchen Sie sich nicht in das Handelsregister (www.selbststaendig.com/handelsregisater) eintragen zu lassen.

Freiberufler gehören ebenfalls zu den Einzelunternehmern. Sie haben den Vorteil, dass sie weder ein Gewerbe anmelden noch Gewerbesteuer entrichten müssen. Zu den Freiberuflern gehören beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten oder Journalisten.

Die Vorteile und die Nachteile eines Einzelunternehmens

Wie so häufig, gibt es auch bei Einzelunternehmen Vor- und Nachteile. Deswegen sollten Sie sich informieren, was zu Ihnen und Ihrer Firma am besten passt. Die Vorteile von Einzelunternehmen liegen auf der Hand:

Einzelunternehmen gründen

Die Gründung eines Einzelunternehmens ist einfach, schnell und unkompliziert. Es gibt keine Hürden – kaum Bürokratie. Nur die Meldung beim Finanzamt ist Pflicht. Dieses erteilt Ihnen eine Steuernummer. Zusätzlich muss ein „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ (www.selbstaendig.com/Fragebogen zur steuerlichen Erfassung) ausgefüllt werden.

Natürlich gibt es auch Nachteile. Jeder geht allerdings mit diesen Herausforderungen individuell um und sollte sich eine eigene Meinung bilden, beispielsweise bezüglich der persönlichen Haftung. Im Gegensatz zur GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) haften Sie allein mit Ihrem gesamten Vermögen für die eventuellen Schulden des Betriebs. Es gibt kein Sicherheitsnetz. Das ist ein schwerwiegender Nachteil gegenüber der GmbH oder der Unternehmergesellschaft UG (www.selbststaendig.com/unternehmergesellschaft), die die persönliche Haftung zumindest einschränken. GmbH oder UG? Diese Entscheidung ist eine Überlegung wert, zumal eine Einzelperson diese Rechtsform wählen und gründen kann.

Ein zweiter Nachteil ist die Einkommensteuer, die jeder Einzelunternehmer zahlen muss. Mit der Wahl einer UG oder GmbH (Kapitalgesellschaften) muss für Gewinne, solange sie in die Firma reinvestiert werden, keine Einkommensteuer, sondern eine Körperschaftsteuer entrichtet werden. Diese beträgt 15,6 %.

Ein weiterer Nachteil: Ohne einen Rechtsformwechsel können keine weiteren Inhaber oder Teilhaber für das Unternehmen gewonnen werden. Das macht teilweise die Finanzierungsgespräche mit Banken schwer, da Banken als Kreditgeber gerne mehrere Schuldner haben, auf die die Last verteilt wird.

Aber das ist schon alles. Mithilfe der folgenden Übersicht können Sie sich selbst ein Bild darüber machen, ob die Vor- oder die Nachteile überwiegen.

Gründungskosten Einzelunternehmen

Im Regelfall sind die Gründungskosten beim Start des Unternehmens überschaubar. Das gilt insbesondere für die administrativen und organisatorischen bzw. die bürokratischen Kosten. Ein klarer Vorteil eines Einzelunternehmens ist, dass kein Mindest- oder Stammkapital wie bei einer GmbH-Gründung erforderlich ist. Außer den rund 20 € für die Gewerbeanmeldung fallen keine weiteren Kosten an. Das Teuerste sind in aller Regel die Investitionskosten für die Geschäftsidee selbst. Insbesondere im Handel oder im Bereich der Produktion können die Kosten erheblich ausfallen.

Einzelunternehmen braucht kein Mindestkapital

Ein weiterer Vorteil schlägt bei einem Einzelunternehmen zu Buche: Sie als Gründer brauchen kein Mindestkapital. Jeder Euro kann in die Geschäftsidee, in das Marketing und in den Vertrieb investiert werden. Das heißt konkret: Sie können ganz ohne Startkapital Ihr Unternehmen gründen.

Privateinlage beim Einzelunternehmen leicht gemacht

Der Einzelunternehmer ist jederzeit zu Privatentnahmen und Privateinlagen berechtigt. Anders als bei Kapitalgesellschaften zahlen sich Einzelunternehmer kein Gehalt. Sie bedienen sich aus den Einnahmen des eigenen Unternehmens. Natürlich ist eine exakte Buchhaltung hier Pflicht. Entnahmen und Einlagen werden über ein sogenanntes Privatkonto geführt.

Tipp: Beachten Sie, dass zu den Privatentnahmen neben Geldentnahmen beispielsweise auch Waren oder Erzeugnisse gehören. Gerade bei Gründungen ist häufig zu beobachten, dass Einzelunternehmen ihr Privatfahrzeug in den ersten Jahren mit in die Firma hineinbringen. Das ist ein klassischer Fall von einer Privateinlage.

Einzelunternehmen Handelsregister – so gründen Sie ein Einzelunternehmen

Die meisten Einzelunternehmer starten als Kleingewerbetreibende. Sie müssen sich in diesem Fall nicht in das Handelsregister eintragen lassen.

Eintragung ins Handelsregister für Einzelunternehmen

Freiwillig können Sie sich allerdings im Handelsregister registrieren lassen. Dadurch werden Sie zum Kaufmann. Die Geschäftsbezeichnung heißt dann eingetragener Kaufmann (e.K.). Das hat Vorteile: Allein in der Außenwirkung, etwa im Briefkopf, wirkt diese Geschäftsbezeichnung gegenüber Kunden und Lieferanten nachhaltiger und auch repräsentativer bzw. seriöser. Der Handelsregistereintrag bringt Pflichten mit sich wie z. B. eine doppelte Buchführung und Bilanzierung.

Tipp: Überlegen Sie genau, welche Absicht Sie mit Ihrer Existenzgründung verfolgen: Soll die Firma wachsen und gedeihen oder sich eher klein und fein entwickeln? Erreicht der Geschäftsbetrieb eine bestimmte Größe, die eine kaufmännische Organisation erforderlich macht, werden Sie automatisch zum Vollkaufmann und sind verpflichtet, sich in das Handelsregister eintragen zu lassen.

Einzelunternehmen Geschäftsführung – wer verantwortlich und zeichnungsberechtigt ist

Der Einzelunternehmer übernimmt die komplette Verantwortung und die Pflichten. Er hat die alleinige Geschäftsführer-  und Vertretungsbefugnis gegenüber Kunden, Vermietern, Geschäftsbeziehungen und Lieferanten. Natürlich können Sie sich eine Ihnen vertraute Person zum Handlungsbevollmächtigten ernennen und ihr Prokura erteilen. So können Befugnisse und Zeichnungsberechtigung delegiert werden. Juristisch bleiben Sie aber in der Verantwortung.

Impressum Einzelunternehmen – unbedingt erforderlich für jedes Unternehmen!

Diese Verantwortung dokumentiert etwa das Impressum auf der Webseite oder bei eventuellen Printerzeugnissen. Jedes Unternehmen muss auf der eigenen Webseite ein Impressum veröffentlichen. Das gilt nicht für private Webseiten, wohl aber für Webseiten von Einzelpersonen und Einzelunternehmen.

Das Telemediengesetz (TMG) schreibt klare Rahmenbedingungen für das Impressum vor. § 5 TMG sagt eindeutig, dass das Impressum für jedermann leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein muss.

Was muss im Impressum bei Einzelunternehmen stehen?

Adress- und Kontaktdaten: Name und Vorname (keine Abkürzungen), Postanschrift mit Straße, Nummer, Postleitzahl und Ort. Das Postfach ist nur zusätzlich erlaubt, allein reicht es nicht. Zusätzlich müssen Sie auf jeden Fall deine Daten zur elektronischen Kontaktaufnahme angeben, das heißt, Telefon, Fax und E-Mail-Adresse sind absolute Pflicht.

Weitere Angaben:

  • eine zuständige Aufsichtsbehörde, falls Ihr Unternehmen einer behördlichen Zulassung bedarf, wie etwa Rechtsanwälte; die Kammer, welcher Ihre Diensteanbieter angehören;
  • Registernummer und Handelsregister, falls Sie eingetragener Kauffrau/Kaufmann sind, Vereinsregister, Genossenschaftsregister, unter dem Sie eingetragen sind;
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (Umsatzsteuer-ID);
  • Online-Händler und Shop-Betreiber müssen Angaben zur Online-Streitschlichtungsbehörde (OS) der EU-Kommission machen. Die OS-Plattform muss verlinkt sein. Diesen Link müssen Sie mit Informationen und Angabe Ihrer E-Mail-Adresse in Ihrem Impressum darstellen.

Muster: Die Europäische Kommission stellt eine Plattform zur Online-Streitbeilegung bereit. Die Plattform finden Sie unter ec.europa.eu/consumers/odr. Hier sollen Probleme mit Händlern und/oder Verbrauchern außergerichtlich, fair und effizient gelöst werden.

Einzelunternehmen gründen – Ihre Checkliste

  • Existenzgründer starten oft als Einzelunternehmer und werden zu Kleingewerbetreibenden
  • Jeder Gewerbetreibende, ob Makler, Einzelhändler oder Handwerker, kann ein Einzelunternehmer sein.
  • Eine Anmeldung beim Gewerbeamt als Einzelunternehmen reicht. Ausnahme: Der Freiberufler braucht sich nicht anzumelden. Die Anmeldung kostet 20 €.
  • Die Gründung eines Einzelunternehmens ist einfach, schnell und unkompliziert.
  • Keine Hürden, kaum Bürokratie nur die Anmeldung beim Finanzamt ist Pflicht.
  • Kein Mindest- oder Stammkapital notwendig.
  • Es besteht kein Haftungsschutz oder Sicherheitsnetz. Der Unternehmer haftet mit seinem gesamten Vermögen.
  • Unbedingt sich und seine Familie absichern – auch für etwaige Krankheitsfälle.
  • Die Vor- und Nachteile von Einzelunternehmen bzw. der Rechtsform kennen und für sich individuell abwägen.
  • Ein Impressum auf der Webseite oder in Printerzeugnissen ist Pflicht.

Rechtsform Einzelunternehmen – du hast die Wahl

Gründer können sich gleich beim Start entscheiden, welche Rechtsform Sie für Ihr eigenes Unternehmen wählen. Es besteht die Wahl zwischen dem Einzelunternehmen, der GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), der GmbH und der Unternehmergesellschaft (UG) bzw. Limited. Während die GbR für eine Gründung mit einem Partner gewählt oder die UG als eine Art Mini-GmbH verstanden wird, gehört die GmbH zu den wichtigsten und beliebtesten Rechtsformen.

GmbH oder Einzelunternehmen – eine sehr individuelle Entscheidung

Der am häufigsten genannte Grund von Gründern, warum sie sich für eine GmbH entschieden haben, besteht darin, dass die Gesellschafter für Schulden oder andere Verbindlichkeiten nicht mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Das ist sicher ein Vorteil. Allerdings verlangen Banken für Kredite fast immer private Sicherheiten. Das Privatvermögen ist bei Verschuldung meistens dennoch in Gefahr.

Die Vorteile einer GmbH gegenüber einer Einzelfirma

Die GmbH hat Vorteile gegenüber der Rechtsform Einzelunternehmen. Gemeint ist hier die beschränkte Haftung. Und die GmbH ist wegen ihrer Rechtsform Kaufmann. Im täglichen Geschäftsverkehr erlangt eine GmbH meistens eine höhere Anerkennung, die sich in Kriterien wie etwa der Seriosität ausdrückt.

Der Gründer einer GmbH ist Gesellschafter, oft geschäftsführender Gesellschafter. Er kann allerdings jederzeit einen Geschäftsführer einstellen, der die Geschäfte führt. So kann der Gründer sein Geschäft auf eine breitere Grundlage stellen und sich etwa Sachverstand und Kompetenz von außen in die Firma holen. Auch die Kreditwürdigkeit ist insbesondere  gegenüber Lieferanten scheinbar höher. Es wirkt, wenn im Impressum oder auf dem Briefpapier der Zusatz GmbH in der Firmenbezeichnung steht.

Andererseits bestehen zahlreiche Pflichten, wie z. B. die Buchführungspflicht, die Erstellung einer Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung.

Umwandlung des Einzelunternehmens in eine GmbH

Es gibt viele Entwicklungsstufen, die ein Unternehmen durchläuft. So kann auch ein Einzelunternehmen in eine GmbH umgewandelt werden. Juristisch wird diese Umwandlung als Neugründung gehandelt. Der Einzelunternehmer kann allein oder mit anderen Gesellschaftern eine GmbH gründen, das heißt, das Einzelunternehmen wird stillgelegt und das Kapital in die GmbH überführt. Die Stilllegung bedeutet nicht, dass die Firma erloschen ist. Das Einzelunternehmen kann weiter bestehen. Dies macht insbesondere dann Sinn, wenn Marken- oder Grundstücksrechte bestehen.

Darauf müssen Sie sich einstellen: Die Neugründung der GmbH dauert mit der Anmeldung rund 45 Tage. Die Mindesteinlage liegt hier ebenfalls bei 25.000 €.

Auflösung einer GbR – Fortführung als Einzelunternehmen: So geht`s

Die GbR ist die Rechtsform, die mindestens zwei Gründer oder Partner wählen, um ein Unternehmen zu starten. Scheidet einer der beiden Gesellschafter aus, kann die Gesellschaft nicht mehr als GbR geführt werden. Es sei denn, die beiden Gesellschafter haben eine Fortführungsklausel vertraglich vereinbart. Im anderen Fall muss die GbR aufgelöst und eine Abschlussbilanz erstellt werden. Möchte ein Gesellschafter das Unternehmen als Einzelunternehmen weiter fortführen, sollte er die bestehenden Verträge auf das neue Einzelunternehmen überführen. Der Einzelunternehmer beantragt eine neue Steuernummer für sein Einzelunternehmen.

Einzelunternehmen und Personengesellschaft  

Einzelunternehmen und Personengesellschaft sind zwei verschiedene  Rechtsformen. Eine Personengesellschaft wird von mindestens zwei Personen geführt. Bei beiden Formen haften die Inhaber mit ihrem gesamten Vermögen, wobei bei einer Personengesellschaft beide Gesellschafter solidarisch haften. Typische Personengesellschaften sind die OHG (Offene Handelsgesellschaft), die KG (Kommanditgesellschaft) und auch die GbR. Während GbR, OHG und KG kein festes Kapital oder Mindesteinzahlung haben, verfügt die KG zumindest über Kommanditeinlagen für Kommanditisten.

Einzelunternehmen e.K.

Der Gründer kann sein Einzelunternehmen in das Handelsregister eintragen lassen. Auf diese Weise kann ein Personen-, aber auch Fantasie- oder Sachname für die Firma gewählt werden. In jedem Fall muss der Zusatz „eingetragener Kaufmann“ oder „eingetragene Kauffrau“ oder die entsprechenden Abkürzungen „e.K.“ bzw. „e.Kfr.“ geführt werden. Für die Firma gelten bei der Auswahl ein paar Grundsätze, die in § 18 Handelsgesetzbuch (HGB) zu finden sind (www.gesetze-im-internet.de/hgb).

Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihr Firmenname sich in jedem Fall von den anderen unterscheidet!

Wie bei den herkömmlichen Einzelfirmen sind die Vorteile, wie etwa keine Gewinnaufteilung, überschaubare Verwaltung und Buchführung sowie schnelle Entscheidungsfindung, deckungsgleich. Das Gleiche gilt für die Nachteile, wie etwa das finanziell hohe Risiko oder die persönliche Haftung mit eigenem Privatvermögen, und eine Kapitalbeschaffung von fremden Investoren ist nicht möglich.

 

Autor_in: Michael Jansen

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