Bewerbungen sichten: Wie sichte ich Bewerbungsunterlagen als Selbstständiger?

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Bewerbungen

Das Herz eines Unternehmens sind seine Mitarbeiter. Denn: Mit ihren Qualifikationen und ihrem Know-how tragen sie maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei. Daher ist es auch elementar, die richtigen Beschäftigten zu finden – eine Herausforderung, die es auch für Gründer ab einer gewissen Unternehmensgröße zu meistern gilt. Dieser Beitrag erklärt Ihnen, welche Aspekte Sie bei der Sichtung von Bewerbungen beachten sollten, welche Dinge als besonders positiv zu bewerten sind und was einen Kandidaten als geeigneten Bewerber ausmacht.

Bewerbungsunterlagen prüfen: Der erste Eindruck

Egal ob als Reaktion auf eine Stellenausschreibung oder als Initiativbewerbung: Sobald eine Bewerbung eintrifft, muss man sie prüfen – und dabei gilt wie so oft auch hier die Devise: Der erste Eindruck zählt.

Daher sollten Sie sich als erstes einen Gesamteindruck von der Bewerbung machen. Denn auch der erste Check, ob formale Kriterien eingehalten wurden, ermöglicht es Ihnen, eine Vorauswahl für spätere Bewerbungsgespräche treffen zu können. Wenn sich ein Bewerber bei der Ausgestaltung seiner Bewerbung Mühe gegeben hat, ist das ein Zeichen, dass er ernsthaftes Interesse an der Position hat.

Natürlich sollten Sie den Umfang und die Ausgestaltung der Bewerbung immer im Verhältnis zur ausgeschriebenen Stelle sehen. Eine Bewerbung für eine Position als Aushilfe im Verkauf auf 450-Euro-Basis wird wahrscheinlich weniger ausführlich sein als eine Bewerbung für eine Stelle als SAP-Consultant.

Bewerbungen sichten: Diese Kriterien sind wichtig

Der erste Eindruck zählt. Dazu gehört nicht nur das optische Erscheinungsbild der Bewerbungsunterlagen – Stichwort Kaffeeflecken auf dem Anschreiben. Diese Aspekte tragen auch dazu bei, eine erste Einschätzung abgeben zu können:

  1. Einhaltung der Frist: Wenn sich der Kandidat auf eine Stellenausschreibung beworben hat, sollte man überprüfen, ob die angegebene Frist auch eingehalten wurde – sofern in der Ausschreibung auch von einer Bewerbungsfrist die Rede war. Wurden außerdem alle erforderlichen Bewerbungsunterlagen eingereicht?
  2. Formale Ausgestaltung: Wie sieht die Bewerbung auf den ersten Blick aus? Ist in der Ausgestaltung ein roter Faden zu erkennen, beispielsweise eine einheitliche Schriftgröße, Zeilenabstand oder Schriftart?
  3. Grammatik und Rechtschreibung: Überfliegen Sie das Anschreiben: Ist es grammatikalisch korrekt oder finden Sie viele vermeidbare Rechtschreibfehler?

Diese Kriterien sind vor allem dann als sinnvoll zu betrachten, wenn viele Bewerbungen eingehen. Daher ist diese Vorgehensweise des „Vorsortierens“ insbesondere auch bei großen Konzernen beliebt.

Formale Kriterien: Ein Ausschlusskriterium?

Auch kleine und mittelständische Unternehmen können Bewerbungen vorsortieren. Bei allen formalen Kriterien sollten Sie aber nicht vergessen, dass der Bewerber im Vordergrund steht, nicht sein Ästhetikempfinden, was die Ausgestaltung der Bewerbungsunterlagen angeht.

Sobald Sie die formalen Bewerbungskriterien angesehen haben gilt es, die Bewerbungsmappe gründlicher zu prüfen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Lebenslauf, dem Anschreiben und den Arbeitszeugnissen. Wie Sie diese am besten sichten und worauf Sie dabei besonders achten sollten, klären die nächsten Abschnitte.

Bewerbungen auf den zweiten Blick: Das Anschreiben

Im Anschreiben gibt der Bewerber die Gründe an, weshalb er der ideale Mitarbeiter für Ihr Unternehmen ist. Welche Motivation er für die Stelle hat, erfahren Sie hier somit ebenso wie die Fähigkeiten, die ihn dafür qualifizieren – und das so kurz, prägnant und aussagekräftig, wie nur möglich.

Aspekte, die Sie beachten sollten, wenn Sie ein Anschreiben sichten, sind:

  1. Nichtssagende Floskeln: Verwendet der Bewerber nur aussagelose Floskeln, die sich eins zu eins auch auf Bewerbungen für andere Firmen übertragen lassen oder hat sich der Bewerber bei der Formulierung ernsthafte Gedanken über Ihr Unternehmen gemacht? Diese Frage sollten Sie im Hinterkopf behalten, wenn Sie ein Bewerbungsanschreiben durchlesen.
  2. Inhalt und klarer Schreibstil: Ein Anschreiben sollte – wie schon erwähnt – klar und prägnant geschrieben sein. Daher sollte man auch erwarten können, dass der Bewerber klar herausgearbeitet hat, inwiefern sein Profil auf die Stellenanforderungen passt. Formuliert er nur seinen Lebenslauf aus, so ist diese Erwartung nicht erfüllt. Es sollte klar erkennbar sein, dass der Kandidat erkannt hat, um welche Tätigkeit es sich bei der Stelle handelt und inwiefern seine Qualifikationen ihn dazu befähigen, diese auch auszuführen.

Außerdem sollten Sie als Adressat des Bewerbungsschreibens auch erkennen, dass der Bewerber in seinem Anschreiben nicht nur seine Sachkenntnisse herausarbeitet. Persönliche Eigenschaften, die zur ausgeschriebenen Position passen, sind in einem guten Bewerbungsanschreiben ebenso zu nennen wie die bereits erworbene Arbeitserfahrung oder Berufszertifikate.

Bewerbungen sichten: Der Lebenslauf

Im Lebenslauf – er ist meist in tabellarischer Form aufgebaut – vermerkt der Bewerber seinen bisherigen Werdegang. Schul- und Universitätsabschlüsse, besondere Zertifikate oder Weiterbildungen können Sie dem Lebenslauf genauso entnehmen wie die bisherigen Positionen, die der Bewerber innehatte.

Weiterbildungen, Lücken oder Arbeitslosigkeit: Die Vita im Blick

Viele Kandidaten vermerken noch ihre Hobbys oder ehrenamtlichen Tätigkeiten. Obwohl der Lebenslauf damit sehr viele Informationen enthält, ist er nicht immer besonders aussagekräftig. Wie gut ein Kandidat seine bisherigen Stellen ausgefüllt hat, können Sie anhand des Werdegangs nämlich nicht herausfinden.

Dennoch gibt es einige Aspekte, die beim Sichten des Lebenslaufs wertvolle Hinweise geben:

  1. Regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen: Sie erfahren durch den Lebenslauf wohl nicht wie hoch das Leistungsniveau des Kandidaten ist, Sie können aber dennoch herausfinden, wie zielstrebig und engagiert er seine Karriere bisher verfolgt hat. Indem der Bewerber nämlich regelmäßig an Fortbildungsmaßnahmen teilgenommen hat, zeigt er seine Lernbereitschaft – ein wichtiger Hinweis für Sie.
  2. Belege: Wichtig im Zusammenhang mit dem ersten Punkt ist auch, dass der Kandidat seine beruflichen Qualifikationen belegen kann – beispielsweise durch entsprechende Zertifikate oder Abschlusszeugnisse.
  3. Lücken: Gibt es viele Lücken im beruflichen Werdegang des Bewerbers oder sind beispielsweise nur Jahresangaben vorhanden? Dann muss das dem Kandidaten nicht unbedingt negativ ausgelegt werden. Dennoch lohnt es sich hier, im Bewerbungsgespräch nachzuhaken.
  4. Entwicklung: Hat der Bewerber eine Entwicklung in seinem beruflichen Werdegang durchlaufen? Das heißt: Ist bei den bisherigen Stellen eine Steigerung bezüglich der Kompetenz und Verantwortung zu erkennen?

Zusammen mit dem Anschreiben lassen sich aus dem Lebenslauf somit wichtige Erkenntnisse ziehen. Die Frage, ob der Bewerber überhaupt die Qualifikation und Sachkenntnis besitzt, um die ausgeschriebene Stelle optimal zu besetzen, lässt sich dadurch beantworten. Aber: Wie gut er seine bisherigen Positionen ausgefüllt hat, können Sie durch Anschreiben und Lebenslauf nicht in Erfahrung bringen. Hierbei helfen Ihnen die Arbeitszeugnisse weiter.

Leistungsniveau erkennen: Die Arbeitszeugnisse

Arbeitszeugnisse, die die früheren Arbeitgeber ausgestellt haben, enthalten in der Regel wichtige Informationen über den Bewerber. So lassen sich dadurch beispielsweise die exakten Tätigkeiten herauslesen, die der Kandidat im Rahmen seiner Beschäftigung ausgeführt hat. Aber auch die Leistungsbewertung des Vorgesetzten fließt in das Arbeitszeugnis mit ein.

Vorsicht ist aber bei der wortwörtlichen Übersetzung des Arbeitszeugnisses geboten. Denn: Arbeitgeber dürfen nicht negativ über ihren Mitarbeiter sprechen. Das verbietet ihnen der Gesetzgeber, da die berufliche Zukunft des Bewerbers nicht gefährdet werden darf. Aus diesem Grund sind viele Zeugnisse in Floskeln verfasst. Diese zu erkennen, ist bei der Sichtung von Bewerbungen besonders wichtig.

Enthält das Zeugnis bei der Bewertung der Leistung oder des Verhaltens beispielsweise verstärkende Adverbien wie „sehr“ oder „vollsten“ oder „außerordentlich“ ist das ein gutes Zeichen. Wird die Leistung oder das Verhalten hingegen überhaupt nicht kommentiert, ist davon auszugehen, dass diese nicht befriedigend waren.

Diese Faustregeln lassen sich auf die meisten Zeugnisse übertragen, obwohl es kein einheitliches System gibt. Wenn Sie sich nicht allein auf Arbeitszeugnisse verlassen wollen, können aber auch andere Leistungsbewertungsmaßnahmen wie Assessment Center oder Arbeitsproben hilfreich sein. Damit können Sie sich ein eigenständiges Bild vom Bewerber machen und herausfinden, ob er wirklich zu Ihnen passt.

Autor_in: Redaktion selbststaendig.com

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