Growth Hacking für Gründer: Auf kostengünstiges Wachstum setzen

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Growth Hacking

Das Produkt bzw. das Portfolio ist gelauncht – jetzt fehlt es nur noch an Bekanntheit, Reichweite und gesteigertem Umsatz? Genau an dieser Stelle ist es sinnvoll, sich einmal mit dem Begriff „Growth Hacking“ auseinanderzusetzen. Im Marketing-Jargon bezeichnet man damit eine Technik bzw. ein Maßnahmen-Bündel, um möglichst schnell Wachstum zu generieren bzw. steigende Zahlen zu erreichen – bei minimalem finanziellem Einsatz. Lesen Sie in diesem Artikel alles Wichtige rund um die bekannte Marketing-Technik: Was ist Growth Hacking? Was macht ein Growth Hacker? Und wie können Gründer davon profitieren?

Definition: Was ist Growth Hacking überhaupt?

Growth Hacking bezeichnet eine Marketing-Technik, die auf schnelles, skalierbares Wachstum setzt, für das möglichst wenige finanzielle Ressourcen benötigt werden. Der Begriff setzt sich aus den beiden Wörtern „Growth“ (Wachstum) und „Hacking“ bzw. „Hacks“ (Tricks) zusammen und ist somit fast selbsterklärend.

Mithilfe von „Hacks“ – also spezifischer Tricks und Taktiken – soll es Unternehmen gelingen, ihr Wachstum voranzutreiben. Dabei geht es nicht alleine darum, die Firma an sich zu vergrößern, sondern auch andere relevante Kennzahlen zu steigern. So beispielsweise:

  • Klicks
  • Registrierungen
  • Käufe

Mit gesteigerter Bekanntheit, mehr Klicks und gestiegenen Verkaufszahlen gehen schlussendlich auch mehr Umsatz und Gewinn einher. Das ist das Hauptziel eines jeden Unternehmens – die sogenannte „Gewinnerzielungsabsicht“.

Wachstum steigern mit Growth Hacks

Growth Hacking hat seinen Ursprung im Start-up-Umfeld. Denn: Die Marketing-Technik verbindet gleich zwei Eigenschaften, die für Start-ups typisch sind:

  1. Technikaffinität: Insbesondere IT-Start-ups haben einen anderen Zugang zu digitalen Möglichkeiten als das klassische „Old Business“.
  2. Begrenztes Budget: In der Gründungsphase stehen nur wenige finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Klassische Werbemaßnahmen, z. B. Reklame oder TV-Werbung, sind zu teuer. Es braucht kostengünstigere Alternativen.

Die „Hacks“ sind solche kostengünstigen Alternativen, die allesamt darauf abzielen, ein Produkt, eine Dienstleistung oder das Unternehmen an sich „viral“ werden zu lassen. Das Ziel: Langfristig eine enorme Wachstumssteigerung zu erreichen.

Wie sehen Growth Hacks aus?

Die meisten Growth Hacks – also Tricks zum schnellen Wachstum mit wenig Geld – sind im Onlinemarketing verhaftet. Das ist vor allem deshalb der Fall, weil die Hebelwirkung bei Marketingaktivitäten im Internet wesentlich größer sein kann (Stichwort: Viralität) als es beim konventionellen Marketing der Fall ist.

Je nach Produkt weichen die Growth Hacks ab. Dennoch lassen sich einige Hacks identifizieren, die so gut wie immer zum Wachstum beitragen:

  • Suchmaschinenoptimierung (SEO): Die SERPS – die Liste der Suchmaschinenergebnisse – sind zumindest auf der ersten Seite eine gute Werbefläche. Viele SEO-Maßnahmen lassen sich selbst durchführen. Das ist kostengünstig und erzielt eine prominente Wirkung.
  • Content-Marketing: Egal ob unternehmenseigener Blog, Gastbeiträge auf anderen Blogs oder eine Landingpage, die eigens auf ein Produkt ausgerichtet ist: Es gibt viele Möglichkeiten, das eigene Unternehmen verhältnismäßig kostensparend in den Fokus zu rücken.
  • Social Media: Soziale Medien bieten die Option, mit guten, witzigen oder geistreichen Inhalten, die die Zielgruppe ansprechen, zu punkten. Guter Content kann bei den richtigen Usern eine riesige Reichweite erzielen und „viral gehen“. Das funktioniert auch ohne preisintensive Social-Media-Ads. Aber: Die Inhalte in den sozialen Netzwerken müssen kreativ sein. Nur so gehen Sie nicht im Strudel von Millionen von Posts unter.
  • Website-Analyse: Schlussendlich gehören auch einige analytische Fähigkeiten zum Growth Hacking dazu. Nur ausgewertete und analysierte Daten lassen Wachstum skalierbar werden.

Das Wichtige dabei: Growth Hacking zeichnet sich nicht nur durch eine gewisse Kreativität und Raffinesse aus, sondern eben auch durch Taktik und planvolles Vorgehen.

Was ist ein Growth Hacker?

Der Begriff des Growth Hackers geht auf Sean Ellis zurück, einen US-amerikanischen Gründer und Start-up-Coach. In seinem Blogbeitrag Find a Growth Hacker für Your Startup beschreibt Ellis, wie wichtig es ist, einen Growth Hacker zu finden. Doch was ist das überhaupt?

A growth hacker is a person whose true north is growth. Everything they do is scrutinized by its potential impact on scalable growth.

Ein Growth Hacker ist also ein jemand, dem es gelingt, die oben genannten „Hacks“ anzuwenden, um eine breite Masse von Menschen anzusprechen bzw. das Unternehmen zu Wachstum und Erfolg zu führen. Für erfolgreiches Growth Hacking sind clevere Ideen und Kreativität ebenso wichtig wie eine gewisse Affinität zu neuen Technologien, Onlinemarketing und analytischer Denkweise.

Growth Hacking für Gründer: So profitiert Ihr Business

Auch wenn Growth Hacking ursprünglich aus der IT-lastigen Start-up-Sphäre kommt: Gründer in klassischen KMU-Feldern profitieren ebenfalls von der Marketing-Technik. Der Vorteil dabei: Bei der geschickten Kombination verschiedener Marketingmaßnahmen lässt sich mit wenig finanziellen Ressourcen viel erreichen – vorausgesetzt, Sie sind bereit, einige Zeit zu investieren.

Growth Hacking in der Praxis

Egal ob Start-up, Handwerker oder Dienstleister: Ziel ist es, zunächst Bekanntheit zu erreichen und im zweiten Schritt mehr zu verkaufen. Dabei ist es unerheblich, ob nun mehr Produkte oder die eigene Arbeitsleistung populär gemacht werden soll. Wie lässt sich Growth Hacking aber nun im Unternehmensalltag realisieren?

Zunächst ist es sinnvoll, das eigene Unternehmen in den Fokus zu rücken. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal, wodurch zeichnen Sie sich aus? Während beim „klassischen“ Growth Hacking ein bestimmtes Buzz-Thema einer Gruppe an potenziell Interessierten ausgespielt wird, sollten kleinere bzw. jüngere Unternehmen noch einen Schritt zurückgehen.

Nicht selten ist es so, dass bei der Existenzgründung zwar Positionierung und Zielgruppe durchdacht werden. Sobald das operative Geschäft dann alle Kapazitäten fordert, rücken solch strategische Überlegungen schnell wieder in den Hintergrund.

Bevor Sie auf Wachstumskurs durch Online-Aktivitäten gehen, überlegen Sie sich, was Sie wie vermarkten möchten. Keine Marketing-Technik ist fruchtbar, wenn nicht auch das Produkt stimmt (mehr dazu in diesem Artikel der t3n). Denken Sie im Zuge dessen auch über Ihre Zielgruppe nach: Wo und wie erreichen Sie potenziell Interessierte am besten?

Social Media, Unternehmens-Website und Co. auf den aktuellen Stand bringen

Growth Hacking basiert auf der geschickten Kombination diverser Onlinemarketing-Maßnahmen. Bevor Sie in die Vollen gehen, sollten Sie die Weichen stellen: Gehen Sie sicher, dass Ihre Internetpräsenz auf dem neuesten Stand ist und ein einheitliches Bild abgibt.

Was heißt das nun? Bevor Sie im Rahmen von modifiziertem Growth Hacking Ihre Bekanntheit steigern, sollten Sie eine solide Basis legen. Schauen Sie sich Ihre Facebook-Unternehmensseite, Ihre Unternehmenswebsite, den Google-My-Business-Auftritt sowie Instagram-, Twitter- und Co.-Accounts an. Ist hier ein einheitliches Bild zu sehen?

  • Einheitliches Logo: Gibt es verschiedene Logos? Wenn ja, wieso? Kann man diese vereinheitlichen?
  • Corporate Wording: Ist der Firmenname überall gleich geschrieben? Stimmen die Slogans überein?
  • Corporate Design: Gibt es eine einheitliche Firmenschrift? Ein einheitliches Äußeres?

In der Regel entstehen Website und diverse Social-Media-Auftritte sukzessive und meistens nebenher. Es ist dabei völlig normal, dass nicht alles einheitlich gestaltet ist. Das lässt sich mit ein wenig Geduld jedoch ändern – und das zahlt sich auch aus. Denn: Der Auftritt Ihrer Firma wirkt somit nicht nur professioneller, sondern auch aktueller. Die Basis für weitere Onlinemarketing-Aktivitäten.

Growth Hacking für KUM: So geht’s

Haben Sie Ihr Produkt und Ihre Zielgruppe definiert und ist die Online-Identität Ihres Unternehmens auf einem aktuellen, einheitlichen Stand, kann es losgehen. Jetzt geht es darum, ein maßgeschneidertes Maßnahmen-Paket zu schnüren. Wichtig: Die einzelnen „Hacks“ müssen zu Ihrem Unternehmen passen.

Präsenz in Social Media zu zeigen, ist gut und wichtig. Nur muss die Plattform zu Ihrem Produkt passen. Das fotobasierte Netzwerk Instagram setzt auf Ästhetik, auf kunstvolle Arrangements und auf Perfektion. Branchen, in denen Ästhetik eine große Rolle spielt, haben gute Karten, hier mit den richtigen Hashtags eine große organische (= Reichweite zum Nulltarif) zu erlangen. So beispielsweise Fotografen, Floristen, Konditoreien und Schneiderein. Ein IT-Hardware-Dienstleister hat vielleicht in Facebook bessere Chancen, wo er mit Gewinnspielen und Video-Botschaften seine Kunden erreicht und bindet.

Stichwort Social Media: Auch die Kooperation mit Influencern erweist sich als fruchtbar. Es müssen nicht gleich Bibi, Dagi Bee und wie sie alle heißen sein. Vielleicht gibt es Micro-Influencer, die Sie allein mit Ihrem Produkt überzeugen können? Sind Sie Experte in einem Bereich, lohnt es sich auch, Expertenwissen zu teilen – beispielsweise in einem Blogbeitrag. Erreicht dieser Bekanntheit, tut das auch automatisch Ihr Unternehmen.

Wenn es analoger zugehen darf: Überlegen Sie auch, ob es Sinn ergibt, mit der lokalen Presse zu kooperieren: Spendensammlungen oder karitative Aktionen, über die berichtet wird, sind eine gute Möglichkeit, um auch vor Ort Bekanntheit zu erlangen.

Fazit: Können KMU Growth Hacking?

Jein. Growth Hacking, wie es populäre (ehemalige) Start-ups (Hubspot bietet eine Übersicht über die 9 besten Growth Hacks) handhaben, ist in der Regel für kleinere und mittlere Unternehmen nur schwer umsetzbar. Den einen mangelt es an Zeit, den anderen an technischer Expertise. Aber: Man kann von den Großen lernen. Man kann sich inspirieren lassen. Und man merkt, dass Marketing nicht zwangsläufig teuer sein muss. Wer ein gutes Produkt und kreative Einfälle hat, muss nur bei den richtigen Leuten darüber sprechen – der erste Schritt in Richtung erfolgreiches Growth Hacking für Gründer.

Autor_in: Johanna Wirsing-Schneider

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