Existenzgründung als Alternative zur Arbeitslosigkeit

© unsplash | Adi Goldstein

Wer arbeitslos ist, sucht in der Regel nach einer neuen beruflichen Perspektive. Doch der Arbeitsmarkt bietet nicht immer ausreichende Optionen – da kann der Einstieg in die Selbstständigkeit eine gute Alternative sein.

So hilft das Arbeitsamt beim Einstieg in die Selbstständigkeit!

Doch gerade die Arbeitslosigkeit sorgt dafür, dass notwendige finanzielle Polster fehlen und Startkapital nur selten vorhanden ist: Hier kann das Arbeitsamt die Existenzgründung mit passenden Programmen fördern.

Der Wechsel von der Arbeitslosigkeit in eine bezahlte Beschäftigung ist das Hauptanliegen vieler Arbeitnehmer ohne Job. Dies ist in Abhängigkeit von den eigenen Qualifikationen und der aktuellen Arbeitsmarktsituation nicht immer einfach: Langzeitarbeitslosigkeit und der soziale Abstieg sind häufige Begleiterscheinungen – verbunden mit der subjektiv empfundenen Ausgrenzung bzw. Nichtteilhabe am wirtschaftlichen Miteinander.

Neue berufliche Perspektiven können sich für Arbeitslose durch ein Arbeitsverhältnis bieten, aber auch durch einen Start in die eigene Selbstständigkeit. Jedoch benötigt die Existenzgründung nicht nur eine gute Idee, sondern regelmäßig auch finanzielle Rücklagen: Ob Startkapital oder Überbrückung für die ersten Monate der Selbstständigkeit – ohne Kapital bleibt die Existenzgründung häufig nicht mehr als nur ein Wunschtraum.

 

Unterstützung durch das Arbeitsamt bei der Existenzgründung

Arbeitslose profitieren in ganz besonderem Maße von den Fördermöglichkeiten zur Existenzgründung, die durch das Arbeitsamt zur Verfügung gestellt werden. Damit bringt der Gesetzgeber zum Ausdruck, dass es gerade im Interesse der Volkswirtschaft liegt, Menschen ohne Arbeit den beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen.

Wichtiger Hinweis: Die Existenzgründung ist eine Option – aber keine Notlösung. Nicht jeder Mensch taugt zum Gründer oder Unternehmer: Das sollte auch angesichts der belastenden Situation während einer Arbeitslosigkeit bedacht werden. Eine selbstständige Tätigkeit erfordert nicht nur eine hohe Motivation, sondern auch eine ebenso hohe Leistungsbereitschaft: Nicht wenige Gründer scheitern mit der Gründung, weil Sie den Arbeitsaufwand eklatant unterschätzen.

 

Der Schritt in die Selbstständigkeit muss auch vor der Inanspruchnahme von Fördermaßnahmen gut durchdacht sein und umfassend geplant werden: Die Existenzförderung durch das Arbeitsamt hilft nicht bei grundlegenden Fehlern des Geschäftskonzeptes und schützt daher nicht vor dem Scheitern!

 

Programme zur Förderung von arbeitslosen Existenzgründern

Die verschiedenen Programme des Arbeitsamtes unterscheiden sich insbesondere durch die unterschiedlichen fachlichen Voraussetzungen, aber auch durch ihre unterschiedliche Förderhöhe und Förderdauer.

Welches Programm in der konkreten Situation einschlägig ist, bestimmt sich u. a. danach, ob Sie Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II bzw. Hartz IV beziehen und danach, welche fachlichen Voraussetzungen Sie für die Existenzgründung mitbringen.

 

Unterstützung der Existenzgründung durch das Arbeitsamt bei Arbeitslosengeld I

 

Wenn Sie Arbeitslosengeld I beziehen, dann bietet sich Ihnen bei der Existenzgründung die Förderung durch den Gründungszuschuss. Dieser wird durch das Arbeitsamt angeboten und muss von Ihnen auch dort beantragt werden.

Der Gründungszuschuss ist erfahrungsgemäß eines der beliebtesten Förderprogramme für die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus. Er kommt in Betracht, wenn

  • Sie einen Mindestanspruch auf das Arbeitslosengeld von 150 Tagen haben,
  • die Gründung hauptberuflich erfolgt,
  • die fachlichen Voraussetzungen für die Existenzgründung gegeben sind und
  • Sie mindestens einen Tag Arbeitslosengeld I erhalten haben.
Besonders günstig: Der Gründungszuschuss verpflichtet geförderte Existenzgründer nicht zur Rückzahlung – das bedeutet, dass auch im Falle eines Scheiterns keinerlei finanzielle Verpflichtungen aus dem Förderprogramm auf Sie zukommen!

 

Wenn Sie den Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur in Anspruch nehmen, steht Ihnen in der ersten Phase der Förderung für eine Dauer von sechs Monaten eine Unterstützung in Höhe Ihrer monatlichen ALG I-Regelleistung sowie eine Sozialversicherungspauschale in Höhe von 300 Euro zu.

Nach Abschluss der ersten Phase können Sie in der sogenannten Aufbauphase für einen Zeitraum von weiteren neun Monaten die Sozialversicherungspauschale in Höhe von 300 Euro weiter beziehen: Diese Unterstützung ist Ihnen freigestellt und nicht verpflichtend.

 

Unterstützung der Existenzgründung durch das Arbeitsamt bei Arbeitslosengeld II

Bei einem Bezug von Arbeitslosengeld II (auch als Hartz IV bezeichnet) steht Ihnen ebenfalls die Möglichkeit einer Förderung der Existenzgründung durch das Arbeitsamt offen. Während der Gründungszuschuss nur bei Arbeitslosengeld I einschlägig ist, kommt beim Bezug von Arbeitslosengeld II das sogenannte Einstiegsgeld in Betracht.

Das Einstiegsgeld wird über einen Zeitraum von maximal 24 Monaten gezahlt und ist in der Höhe abhängig vom sogenannten Fallmanager beim zuständigen Arbeitsamt. Dieser entscheidet verbindlich darüber, ob das Einstiegsgeld nur in Höhe des Lebensunterhaltes gezahlt wird oder ob das Einstiegsgeld auch geeignet sein soll, um zusätzliche Anschaffungen für das Unternehmen zu tätigen, das gegründet werden soll.

 

Vor dem Förderprogramm steht die Beratung durch das Arbeitsamt

Ob aus der Arbeitslosigkeit heraus oder nicht: Jeder Existenzgründung sollte eine Phase der Beratung vorausgehen. In dieser sollten Sie nicht nur selbst überprüfen, ob eine selbstständige Tätigkeit in Ihre Lebensplanung passt, sondern auch hinterfragen, ob Ihr persönlicher und fachlicher Hintergrund ausreicht, um langfristig einen Erfolg im eigenen Unternehmen zu gewährleisten.

Insbesondere bei der Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus ist die Umstellung auf die Selbstständigkeit für viele Gründer eine große Herausforderung: Daher sollten Arbeitslose alle Fördermöglichkeiten – und nicht nur die finanziellen Förderprogramme – in Anspruch nehmen und daraus maximalen Nutzen ziehen.

Das Arbeitsamt bietet neben den genannten Förderprogrammen in Form von Gründungszuschuss und Einstiegsgeld auch noch Unterstützung bei:

  • allgemeiner Beratung vor der Existenzgründung
  • Erstellung eines Businessplans
  • Coachings und Seminare zum Thema Existenzgründung
  • Maßnahmen und Weiterbildungen.

Viele Angebote sind übrigens kostenfrei – nutzen Sie daher alle Möglichkeiten, die Ihnen auf dem Weg zur erfolgreichen Existenzgründung angeboten werden!

 

Die persönliche Eignung ist der Schlüssel zu den Fördermöglichkeiten durch das Arbeitsamt

Weit verbreitet ist der Irrglaube, dass Existenzgründer, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen, einen Rechtsanspruch auf die verschiedenen Fördermöglichkeiten durch das Arbeitsamt haben. Rechtlich gesehen ist das falsch: Das Arbeitsamt kann, muss aber die Existenzgründung nicht finanziell unterstützen.

In der Regel wird ein Antrag auf Förderung der Existenzgründung aufgrund der persönlichen Eignung des Antragstellers beschieden. Daher sind ausreichende Qualifikationen sowie Weiterbildungen und Zusatzkenntnisse von übergeordneter Bedeutung für die Förderung. Ebenso ist ein durchdachtes Konzept und / oder ein überzeugender Businessplan für den jeweiligen Sachbearbeiter ein gutes Indiz, um die Geschäftsidee vor der Förderung durch das Arbeitsamt zu überprüfen: Stimmen hier die Motive nicht oder ist das Konzept generell unreif oder schlecht durchdacht, wird weder das Einstiegsgeld noch der Gründungszuschuss zur Auszahlung gelangen.

 

Zusätzliche finanzielle Mittel für Investitionen

Wer sich selbstständig machen möchte, braucht häufig mehr finanzielle Unterstützung als nur zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhaltes. Problematisch wirkt sich die Arbeitslosigkeit aber auch dann aus, wenn es um die Aufnahme von Krediten geht (zum Beispiel zur Ausstattung von Geschäftsräumen oder des eigenen Büros) – hier fehlen Banken und Geldgebern in der Regel die notwendigen Sicherheiten, um ein Darlehen zuzusagen.

Arbeitslose können dazu spezielle Fördermöglichkeiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz: KfW-Bank) nutzen oder aber über Mikrokredite für kleinere Darlehenssummen zusätzliche Gelder generieren. Der Mikrokreditfonds Deutschland hat sich gerade auf Existenzgründer spezialisiert, die bei der Darlehensvergabe normalerweise „leer“ ausgehen: Bis zu einer Kreditsumme von 20.000 Euro steht Gründern hier zur Finanzierung der Geschäftsidee zur Verfügung.

Wichtiger Hinweis: Die Verwendung der Mikrokredite ist zwingend unternehmerischer Natur – sie muss auf Verlangen nachgewiesen und dokumentiert werden!

 

Autor_in: Susanne Khammar

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
+49 228 9550-120

* Selbstverständlich können Sie den Gratis-Ratgeber auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.