Berufsunfähigkeitsversicherung: die wichtigsten Fakten für Selbstständige

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Wenn Sie sich auch als Selbstständiger vollumfänglich abgesichert wissen wollen, führt kein Weg an einer Berufsunfähigkeitsversicherung vorbei. Allerdings vernachlässigen die meisten Gründer diese Versicherung. Anfangs fehlt schlichtweg das Geld, um noch eine Versicherung abzuschließen. Das Geschäft muss erst einmal in die Gänge kommen. Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Sie wichtig ist und was Sie beachten sollten, erfahren Sie im weiteren Verlauf.

 

Wann ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung überhaupt sinnvoll?

Je jünger Sie sind, desto sinnvoller ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Schließlich haben Sie in jungen Jahren noch eine lange Berufslaufbahn vor sich. Je früher Sie berufsunfähig werden, desto schwerwiegendere Auswirkungen hat dies auf Ihr späteres Leben. Immerhin hatten Sie zuvor nur begrenzt die Möglichkeit, für später zu sparen. Wer sich hingegen erst in einem fortgeschrittenen Alter selbstständig macht, braucht meist nicht über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachzudenken.

Die Beitragshöhe für ältere Versicherungsnehmer fällt ausgesprochen hoch aus. Daher lohnt sich eine solche Versicherung ab einem gewissen Alter nicht mehr wirklich. Außerdem nimmt die Chance, dass Sie bereits an bestimmten Vorerkrankungen leiden, mit einem steigenden Alter zu. Diese Vorerkrankungen können jedoch bedeuten, dass Sie sich gar nicht versichern lassen können.

Wer bereits einen Bandscheibenvorfall hatte, wird es schwer haben, eine reguläre Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden. Wenn Sie nun abwägen, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung in Ihrem speziellen Fall sinnvoll ist, behalten Sie am besten die folgenden Fakten im Hinterkopf:

  • Statistisch gesehen ist jeder Vierte irgendwann von einer Berufsunfähigkeit betroffen
  • Wer als Selbstständiger berufsunfähig wird, hat meist nicht die Chance, noch einen anderen Beruf zu ergreifen
  • Zu einer Berufsunfähigkeit kann es in jedem Job kommen – auch in Bürojobs
  • Wenn Ihre Kinder oder andere Familienmitglieder von Ihnen finanziell abhängig sind, ist solch eine Versicherung besonders sinnvoll
  • Durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung können Sie Ihren Lebensstandard absichern

Eventuell haben Sie einen Kredit aufgenommen, um sich selbstständig zu machen. Daher wäre es umso verheerender, wenn Sie berufsunfähig werden würden, bevor der Kredit abbezahlt ist. Auch zur Absicherung dieses Risikos ist diese Art der Versicherung sinnvoll. Schließlich sind Sie auch weiterhin dafür zuständig, den Kredit abzubezahlen – und zwar auch dann, wenn Sie gar nicht mehr arbeiten können. Dabei muss die Berufsunfähigkeitsrentenhöhe ausreichend hoch sein, damit Sie diese Schulden auch wirklich begleichen können. Bedenken Sie dies bei der Wahl der Police unbedingt.

Wie hoch sollten Sie sich absichern?

Die Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind nicht nur von Ihrem Alter und Ihrem Gesundheitszustand abhängig. Vielmehr spielt auch die Höhe der späteren Zahlungen durch die Versicherung eine Rolle. Welchen Betrag sollten Sie also absichern? Der Minimalbetrag beläuft sich auf 1.000 Euro pro Monat. Diese Summe wird allerdings wahrscheinlich nicht ausreichen, um Ihren bisherigen Lebensstandard zu halten.

Daher tun Sie gut daran, wenn Sie zwei Drittel bis drei Viertel Ihres bisherigen Nettogehalts absichern. Sofern Sie bereits in Ihrem Eigenheim wohnen, welches abbezahlt ist, kann diese Summe unter Umständen auch kleiner ausfallen. Sie tun in jedem Fall gut daran, wenn Sie Ihren vermeintlichen finanziellen Bedarf genau analysieren. Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht unterversichern.

Wie setzen sich die Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zusammen?

Wie bereits angesprochen, spielt Ihr Alter bei der Kostenberechnung eine Rolle. Generell gilt die folgende Faustregel: Je früher Sie sich für den Abschluss solch einer Versicherung entscheiden, desto weniger zahlen Sie pro Monat. Schließlich nimmt das Risiko, dass Sie tatsächlich berufsunfähig werden könnten, mit einem steigenden Lebensalter zu. Dies ist schlichtweg darauf zurückzuführen, dass der Gesundheitszustand älterer Menschen meist ein schlechterer ist als der junger Menschen. Dies erklärt auch, warum Schüler, Azubis und Studenten häufig die Möglichkeit haben, extrem günstig an solch eine Versicherung zu kommen.

Sofern Sie an chronischen Vorerkrankungen leiden, müssen Sie davon ausgehen, dass Ihnen die Versicherer einen Risikozuschlag in Rechnung stellen werden. Somit steigt der monatliche Beitrag entsprechend an. Abhängig von der Art der Erkrankung können Sie dennoch einen Versicherer finden, mit dem Sie einen Vertrag abschließen können. Wer bereits einen Bandscheibenvorfall hatte, kann zum Beispiel eine Versicherungspolice wählen, die alle Wirbelsäulenerkrankungen schlichtweg ausklammert.

Allerdings werden Sie entsprechend umfangreicher vergleichen und womöglich länger nach einer passenden Versicherung suchen müssen. Auch Ihr berufliches Risiko spielt eine wichtige Rolle. Schließlich gibt es Berufe, bei deren Ausübung Sie eher einen Unfall haben können, der Sie berufsunfähig macht. Dies gilt zum Beispiel dann, wenn Sie auf dem Bau arbeiten oder schwere Maschinen bedienen. Bei risikoreichen Berufsgruppen wie diesen verlangen die Versicherer daher gerne einen Aufpreis:

  • Gerüstbau
  • Pflasterer
  • Maschinenschlosser
  • Bergbauer
  • Dachdecker
  • Weitere Arten von handwerklichen Berufen

Sofern Sie in solch einem Beruf arbeiten oder Ihnen Ihr Beruf körperlich viel abverlangt, versichern Sie sich besser so früh wie möglich. Zudem können die Versicherer nicht nur eine Selbstauskunft von Ihnen verlangen. Eventuell müssen Sie auch eine Gesundheitsprüfung durchlaufen. Das bedeutet, dass Sie entsprechend bei einem Arzt vorstellig werden müssen. Raucher müssen im Übrigen generell einen höheren Tarif bezahlen.

Bis wann können Sie sich absichern lassen?

Abhängig davon, für welchen Versicherer und für welchen Tarif Sie sich entscheiden, ist eine Absicherung bis zum 63., bis zum 65. oder bis zum 67. Lebensjahr möglich. Somit können Sie eine Versicherung bis zu Ihrem voraussichtlichen Rentenantritt abschließen. Das macht jedoch nicht immer unbedingt Sinn. Schließlich verdienen Sie vielleicht so gut, dass Sie ohnehin schon früher planen, in Rente zu gehen.

Auch wer sein Haus bereits in jungen Jahren abbezahlt hat oder reich erbt, braucht nicht unbedingt eine Versicherung bis das 67. Lebensjahr erreicht ist. Somit entscheiden Sie am besten im Einzelfall, welche Versicherungslaufzeit für Sie sinnvoll ist. Dabei gilt es auch zu berücksichtigen, wann Ihre Kinder oder anderen Familienangehörigen voraussichtlich nicht mehr von Ihnen finanziell abhängig sein werden.

Wichtige Tipps für selbstständige Versicherungsnehmer

Wer als Selbstständiger diese Art der Versicherung in Anspruch nehmen will, sollte ein paar Besonderheiten im Hinterkopf behalten. Dazu gehört zum Beispiel eine Klausel, die besagt, dass Sie Ihren Betrieb trotz Berufsunfähigkeit nicht umgestalten müssen. Sonst könnte der Versicherer von Ihnen verlangen, dass Sie einfache eine andere Tätigkeit aufnehmen, wenn Sie Ihrer bisherigen selbstständigen Arbeit nicht mehr nachgehen können. Dies geht natürlich nur dann, wenn Sie in bestimmten Bereichen noch arbeitsfähig sind. Auch ein Verzicht auf sogenannte abstrakte Verweisungen ist wichtig. Sonst kann Sie der Versicherer dazu auffordern, als Freelancer einfach einen anderen Beruf zu ergreifen.

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