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Geschäftswagen privat nutzen: Wann Sie Steuern zahlen müssen

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Als Unternehmer können Sie ein tolles Auto als Geschäftswagen fahren und sämtliche Kosten dafür von der Steuer absetzen – diese weit verbreitete und durchaus neidbehaftete Einschätzung ist leider nur die halbe Wahrheit. Denn die private Nutzung Ihres Geschäftswagens müssen Sie versteuern, allerdings haben Sie hier einigen Gestaltungsspielraum.

Frage 1: „Wann ist ein privater Pkw ein Geschäftswagen?“

Ein Geschäftswagen ist ein Pkw, der zu Ihrem betrieblichen Anlagevermögen gehört.

  • Das ist zwingend der Fall, wenn Sie Ihr Auto zu mehr als 50 % für betriebliche Fahrten einsetzen (= „notwendiges Betriebsvermögen“). Der Prozentsatz der betrieblichen Nutzung ergibt sich aus dem Verhältnis der Jahreskilometerleistung des Pkw zu den betrieblich gefahrenen Kilometern.
  • Bei 10 bis 50 % betrieblicher Nutzung haben Sie ein Wahlrecht: Entweder Sie legen den Pkw als Geschäftswagen in Ihr Betriebsvermögen ein (= „gewillkürtes Betriebsvermögen“) oder Sie belassen ihn als Privatwagen in Ihrem Privatvermögen.
  • Bei einer betrieblichen Nutzung von weniger als 10 % kann das Auto kein Geschäftswagen sein und verbleibt in Ihrem Privatvermögen.

In 2 Fallgruppen geht das Finanzamt automatisch davon aus, dass Sie die 50 %-Marke überschreiten, Ihr Pkw also notwendiges Betriebsvermögen ist:

  1. wenn offensichtlich ist, dass Sie aus betrieblichen Gründen auf Ihren Pkw angewiesen sind, z. B. als Taxiunternehmer, Handelsvertreter, Landtierarzt oder im Bau- und Baunebengewerbe, sowie
  2. wenn schon Ihre Fahrten zwischen Wohnung und dem Betrieb und/oder Familienheimfahrten mehr als 50 % der Jahreskilometerleistung Ihres Pkw ausmachen (solche Fahrten sind betriebliche Fahrten).

Zählen Sie nicht zu einer dieser beiden Gruppen und soll Ihr Auto dennoch ein Geschäftswagen sein, müssen Sie dem Finanzamt den betrieblichen Nutzungsanteil glaubhaft machen.

Das kann durch ein Fahrtenbuch geschehen. Ausreichend ist es aber auch, wenn Sie z. B. Ihre Geschäftsfahrten über 3 Monate aufzeichnen.

Vorsicht: Legen Sie dem Finanzamt keine Aufzeichnungen vor, wird es den betrieblichen Nutzungsanteil mit nur 10 bis 20 % schätzen!

Frage 2: „Welchen Vorteil hat die Anerkennung des Pkw als Geschäftswagen?“

Der große Vorteil eines Geschäftswagens ist, dass sämtliche Kosten Betriebsausgaben sind – ganz gleich, ob sie auf Privat-, Urlaubs- oder Geschäftsfahrten anfallen. Im Gegenzug müssen Sie Ihre private Nutzung des Geschäftswagens versteuern.

Demgegenüber können Sie bei einem Privatwagen nur den Kostenanteil absetzen, der auf Ihre betrieblichen Fahrten entfällt. Dafür gibt es zwar eine unbürokratische Pauschale von 0,30 €/km, die Ihre tatsächlichen Kosten aber oft gar nicht deckt. Die tatsächlichen Kosten abzusetzen ist aufwändiger.

Tipp: Reisenebenkosten gesondert absetzen!

  • Parkgebühren,
  • Vignetten,
  • Mautgebühren und auch,
  • Schutzbriefe

fallen leider nicht unter PKW-Kosten. ((BFH, 14.9.2005, Az. VI R 37/03).

Sind solche Gebühren jedoch aus betrieblichen Gründen angefallen (beispielsweise im Rahmen einer Geschäftsreise in die Schweiz), setzen Sie sie als Reisenebenkosten ab.

Frage 3: „Welcher Nachteil ist bei einem Geschäftswagen zu berücksichtigen?“

Vom Fiskus erhalten Sie nichts geschenkt. Er unterstellt, dass Sie mit Ihrem Geschäftswagen auch privat unterwegs sind, und verlangt, dass Sie den Wert dieser Privatnutzung als Privatentnahme erfassen und versteuern (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG, BMF-Schreiben vom 18.11.2009, Az. IV C 6 – S 2177/07/10004). So soll sichergestellt werden, dass Sie unter dem Strich keinen ungerechtfertigten Vorteil gegenüber Privatleuten erzielen, die ihre Autokosten anders als Selbstständige nicht absetzen können.

Die Berechnung der Privatentnahme erfolgt bei einem Geschäftswagen

  • im notwendigen Betriebsvermögen per Fahrtenbuch oder mittels der pauschalen 1-%-Methode,
  • im gewillkürten Betriebsvermögen per Fahrtenbuch oder anhand einer vereinfachten Aufzeichnung.

Beispiel: Sie haben durch eine vereinfachte Aufzeichnung dargelegt, dass Sie Ihren Pkw zu 45 % betrieblich nutzen, und setzen sämtliche Kosten als Betriebsausgaben ab. Das waren im betreffenden Jahr inklusive Abschreibung (oder Leasing-Raten) 8.628 €. Für Ihre Privatnutzung müssen Sie 55 % von 8.628 €, also 4.745,40 €, erfassen und somit versteuern. Unter dem Strich verbleibt Ihnen also eine Betriebsausgabe von 3.882,60 €.

Tipp: Wenn Sie Ihr Fahrzeug unter 50 % privat nutzen, ist die Fahrtenbuchmethode in der Regel am günstigsten für Sie. Allerdings ist ein Wechsel auf diese Methode immer nur zum Jahresanfang (1.1. des Jahres) möglich – auch beim Fahrzeugwechsel!

Frage 4: „Wie ist mit Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb umzugehen?“

Wenn Sie mit Ihrem Geschäftswagen von Ihrer Wohnung zu Ihrem Betrieb (= „WB-Fahrten“) fahren, sind das betriebliche Fahrten. Somit setzen Sie die darauf entfallenden Kosten zunächst in voller Höhe ab. Allerdings sollen Sie als Unternehmer keine höheren Kosten für WB-Fahrten geltend machen dürfen als jeder Arbeitnehmer, für den die sogenannte Entfernungspauschale gilt.

Ein Arbeitnehmer kann in seiner Steuererklärung für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb 0,30 € je Entfernungskilometer und Arbeitstag absetzen (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Sie als Unternehmer müssen in Ihrer EÜR oder Bilanz den Kostenanteil ausrechnen, der auf die WB-Fahrten entfällt, und Ihren Betriebsausgabenabzug entsprechend verringern. In einem 2. Schritt machen Sie dann die Entfernungspauschale wie eine Betriebsausgabe geltend.

Frage 5: „Ist bei Verkauf oder Entnahme des Geschäftswagens etwas zu versteuern?“

Wenn Sie Ihren Geschäftswagen wieder verkaufen, ist die Sachlage sehr einfach: Sie erfassen den Verkaufserlös (netto, wenn Sie umsatzsteuerpflichtig sind, ansonsten brutto) als Betriebseinnahme. Der verbleibende Restbuchwert ist zugleich Betriebsausgabe. Im Ergebnis versteuern Sie also den Unterschiedsbetrag zwischen Buchwert und Verkaufspreis.

Beispiel: Gewinnerhöhung beim Verkauf
Sie verkaufen Ihren Geschäftswagen im Dezember für 20.000 €. Sein Buchwert lag in diesem Monat entsprechend Ihrer monatsgenauen Berechnung der Abschreibung bei 12.000 €. Dann erfassen Sie in Ihrer EÜR dieses Jahres den Verkaufspreis als Einnahme und den Restbuchwert als Ausgabe. Im Ergebnis erhöht sich Ihr Gewinn um 8.000 €.

Entnehmen Sie Ihren Geschäftswagen aus Ihrem Betriebsvermögen in Ihr Privatvermögen, ist der Entnahmewert realistisch zu schätzen (er ist nicht identisch mit dem Restbuchwert!). Naturgemäß werden Sie ihn möglichst gering ansetzen wollen, damit Sie einen entsprechend geringen Betrag versteuern müssen. Damit Sie nicht den Argwohn des Fiskus wecken, sollten Sie den Entnahmewert nachweisen können. Hierfür bieten sich an:

  • Gutachten eines Sachverständigen,
  • Online-Bewertung bei Schwacke, DEKRA, TÜV ,
  • Internet-Recherche (z. B. www.autoscout24.de, www.mobile.de) mit Ausdruck aktueller vergleichbarer Angebote.

Frage 6: „Erstattet das Finanzamt die Vorsteuer aus den Anschaffungskosten sofort?“

Als umsatzsteuerpflichtiger Selbstständiger können Sie Ihren Pkw umsatzsteuerlich Ihrem Unternehmen zuordnen, sofern Sie ihn mehr als 10 % betrieblich nutzen. Das geht auch, wenn Sie den Wagen einkommensteuerlich wie einen Privatwagen behandeln – beides ist unabhängig voneinander.

Großer Vorteil: Der Fiskus erstattet Ihnen die gesamte Vorsteuer aus dem Kaufpreis sofort. Sie brauchen lediglich eine ordnungsgemäße Rechnung.

Tipp: In der Praxis ordnen Sie das Auto Ihrem Unternehmensvermögen zu, indem Sie die Vorsteuer bereits in Ihrer Umsatzsteuer-Voranmeldung oder in Ihrer Umsatzsteuererklärung geltend machen und diese im Folgejahr vor Ablauf des Stichtags 31. Mai abgeben. Versäumen Sie beides, teilen Sie dem Finanzamt die Zuordnung in einem formlosen Brief mit, und zwar bis spätestens zum 31.5. des Folgejahrs (BFH, 7.7.2011, Az. V R 42/09).

Frage 7: „Kann auch aus den laufenden Kosten die Vorsteuer gezogen werden?“

Haben Sie den Geschäftswagen Ihrem Unternehmen zugeordnet, können Sie auch aus sämtlichen laufenden Pkw-Kosten die Vorsteuer ziehen. Das heißt, Sie erhalten aus jeder ordentlichen Rechnung/Quittung die Vorsteuer zurück. Bewahren Sie solche Belege also gut auf! Aber:

Da Sie den Geschäftswagen auch privat fahren, müssen Sie Umsatzsteuer auf die Privatnutzung abführen (BMF-Schreiben vom 27.8.2004, Az. IV B 7 – S 7 300 – 70/04).

Schnellüberblick: Ihr privat genutzter Firmenwagen und die Steuer

 

Autor_in: Redaktionsteam „selbststaendig.com“

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