Gewerbeanmeldung: So melden Sie Ihr Gewerbe beim Finanzamt an!

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Der Start in die Selbstständigkeit beginnt in der Regel mit einer tollen Geschäftsidee – doch wie geht es danach weiter?

Häufig stehen Existenzgründer schon beim ersten Gang zum Finanzamt vor vielen Fragen, denn die Gewerbeanmeldung ist der erste Schritt, um auch langfristig das eigene Unternehmen auf die Erfolgsspur zu bringen. Was Sie beachten müssen, wenn Sie beim Finanzamt Ihr Gewerbe anmelden, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Ob kleines oder großes Unternehmen: Wer sich selbstständig machen möchte, muss dies nicht nur Kunden und Geschäftspartnern mitteilen, sondern auch dem zuständigen Finanzamt. Dieses ist daher die erste Anlaufstelle, wenn die Existenzgründung in die finale Phase eintritt. Der Behördengang ist für viele Gründer aber auch mit zahlreichen Fragen verbunden: Welches Finanzamt ist zuständig? Wie nehme ich die Anmeldung vor? Und welche Unterlagen werden dabei benötigt?

Wichtig für Sie als Existenzgründer ist zunächst einmal die Frage, ob Sie neben der steuerlichen Erfassung durch das Finanzamt auch eine Anmeldung beim Gewerbeamt vornehmen müssen: Diese ist nämlich nur dann angezeigt, wenn Sie sich tatsächlich auch als Gewerbetreibender betätigen. Sollten Sie beabsichtigen, als Freiberufler selbstständig tätig zu sein, ist die Anmeldung beim Gewerbeamt nicht notwendig.

Wer muss ein Gewerbe anmelden?

Der Gesetzgeber sieht in § 14 der Gewerbeordnung (kurz: GewO) vor, dass sich jeder, der den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes, einer Zweigniederlassung oder einer unselbständigen Zweigstelle anfängt, mit seinem Gewerbe beim Gewerbeamt anzumelden hat. Das bedeutet praktisch, dass jeder Unternehmensgründer eine Gewerbeanmeldung vornehmen muss. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz gilt für die sogenannten freien Berufe: Sie finden in § 18 des Einkommensteuergesetzes (kurz: EStG) eine Erwähnung.

Demnach ist Freiberufler derjenige, der eine Tätigkeit als

  • Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Heilpraktiker, Krankengymnast, Hebamme, Heilmasseur, Diplom- Psychologe
  • vereidigter Buchprüfer bzw. vereidigter Buchrevisor, Steuerbevollmächtigter
  • Ingenieur, Architekt, Handelschemiker, Lotse, hauptberuflicher Sachverständiger
  • Journalist, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer o.ä.
  • Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer oder Erzieher

aufnimmt. Ebenfalls von der Anmeldung beim Gewerbeamt befreit sind Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater sowie beratende Volks- und Betriebswirte – auch sie gelten als Freiberufler i. S. d. genannten Vorschrift.

Wichtiger Hinweis: Die in § 18 EStG aufgezählten Berufe sind nicht abschließend – das eröffnet auch sogenannten „neuen“ Berufen die Möglichkeit einer freiberuflichen Betätigung. Dazu zählen zum Beispiel Webdesigner, Musiker oder auch EDV-Experten.

Der Status der Freiberuflichkeit muss bei der Anmeldung beim Finanzamt beantragt werden. Das zuständige Finanzamt entscheidet dann darüber, ob tatsächlich eine freiberufliche Betätigung angenommen werden kann. Sie ist durch die damit verbundene Befreiung von der Gewerbesteuerpflicht insbesondere aus steuerlichen Gesichtspunkten attraktiv.

Gehen Sie keiner freiberuflichen Tätigkeit nach, dann ist für Sie die Anmeldung des Gewerbes beim Gewerbeamt verpflichtend: Das geschieht beim zuständigen Gewerbeamt und lässt sich mit wenig bürokratischem Aufwand erledigen. Bei erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie den Gewerbeschein: Er muss bei bestimmten Vorgängen vorgelegt werden (zum Beispiel beim Abschluss eines Kredit- oder Leasingvertrags) und ist dauerhaft gültig.

 

Wie wird das Gewerbe beim Finanzamt angemeldet?

Neben der Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt gibt es für Existenzgründer die nächste bürokratische Hürde zu meistern: Das ist die Anmeldung des Gewerbes beim Finanzamt, die mit der Zuteilung einer Steuernummer für Ihr neues Unternehmen verbunden ist. Die Anmeldung beim Finanzamt wird auch als steuerliche Erfassung bezeichnet.

Für die steuerliche Erfassung erhalten Sie vom Finanzamt einen Fragebogen, den jeder Gründer zu Beginn seiner Tätigkeit korrekt ausgefüllt dem Finanzamt vorlegt. Wenn Sie Ihr Gewerbe bereits beim Gewerbeamt angemeldet haben, kommt das Finanzamt von selbst auf Sie zu und schickt Ihnen den Fragebogen zeitnah zu. Sollten Sie als Freiberufler starten, liegt es an Ihnen, hier unaufgefordert an das Finanzamt heranzutreten.

 

Welches Finanzamt ist für die Anmeldung des Gewerbes zuständig?

Zuständig ist für Existenzgründer das Finanzamt, in dessen Gemeinde der Bürger bzw. der Gründer wohnt – zumindest dann, wenn auch die sogenannte Betriebsstätte des zukünftigen Unternehmens in dieser Gemeinde liegt. Das dürfte bei den meisten kleineren Unternehmen (die oft gar keine explizite Betriebsstätte betreiben) regelmäßig der Fall sein: Insbesondere Freiberufler und Kleinunternehmer wenden sich daher zur steuerlichen Erfassung an das Finanzamt, das auch bisher für die steuerlichen Angelegenheiten zuständig war.

Sollte die Betriebsstätte in einer anderen Gemeinde liegen, dann bedeutet das für Sie einen bürokratischen Mehraufwand: Zukünftig müssen Sie zwei Steuererklärungen abgeben – eine (in der Regel die Einkommensteuererklärung) an das Finanzamt, das auch bisher für den Bezirk Ihres Wohnsitzes zuständig war und eine zweite Steuererklärung an das Finanzamt, in dessen Bezirk die Betriebsstätte Ihres Unternehmens liegt.

Praxistipp: Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen Steuerberater hinzuziehen, um alle steuerlichen Angelegenheiten kompetent und rechtlich korrekt abzuwickeln. Jede Existenzgründung ist mit zahlreichen Stolperfallen versehen, die gerade auch steuerrechtlich empfindliche Sanktionen bedeuten können – nutzen Sie also die Erfahrung und das Knowhow von Experten, um hier mögliche Fehlerquellen auszuschließen.

 

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung erhalten Bürger vor Ort, aber auch beim Serviceportal des Bundesministeriums für Finanzen: https://www.formulare-bfinv.de/ffw/content.do

Er kann grundsätzlich ohne Fachwissen ausgefüllt werden und stellt damit eigentlich keine große Hürde auf dem Weg zur Gewerbeanmeldung beim Finanzamt dar. Dennoch sollten Sie beim Ausfüllen des steuerlichen Erfassungsbogen zahlreiche Punkte beachten – und einen Steuerberater zur fachlichen Unterstützung zu Rate ziehen. Er kann dabei helfen, Zeit und Geld zu sparen und ist auch später im Rahmen der Finanzbuchhaltung für Ihr Unternehmen von großer Relevanz.

Bei der steuerlichen Erfassung müssen Sie zum Beispiel Angaben darüber machen,

  • ob Sie als Kleinunternehmer gem. § 19 Umsatzsteuergesetz (kurz: UStG) in die Selbstständigkeit starten
  • welche Einkünfte Sie im ersten Jahr und im Folgejahr Ihrer Existenzgründung erwarten
  • welche Gewinnermittlungsart zur Anwendung kommt.
Praxistipp: In zahlreichen Gemeinden ist mittlerweile auch eine Online-Anmeldung des Gewerbes möglich. Das spart Ihnen den Gang zum Finanzamt und kann unproblematisch von zu Hause erledigt werden. Ob Ihre Gemeinde an einem Online-Verfahren teilnimmt, erfahren Sie auf der Internetseite Ihrer Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung.

 

Wann wird das Gewerbe angemeldet?

Der Gesetzgeber normiert in § 14 GewO eine sogenannte Anzeigepflicht: Danach muss eine gewerbliche Tätigkeit angemeldet werden, sobald diese aufgenommen wird. Im Allgemeinen wird empfohlen, die Anmeldung der selbstständigen Tätigkeit im Rahmen der Existenzgründung schon vor dem eigentlichen „Startschuss“ vorzunehmen: Damit sorgen Sie bei Geschäftspartnern sowie Kunden und Auftraggebern für Rechtssicherheit.

Wichter Hineweis: Es ist nicht erlaubt, das Gewerbe ohne Anmeldung zu betreiben – der Gesetzgeber hat sich hier als äußerst streng erwiesen und verhängt bei Nichtbeachten von § 14 GewO Sanktionen und Bußgelder. Diese lassen sich nur vermeiden, wenn Sie unverzüglich Ihrer Pflicht zur Gewerbeanmeldung nachkommen!

 

Die Anmeldung des Gewerbes beim Finanzamt sollte nach Expertenmeinung innerhalb der ersten vier Wochen nach Aufnahme der Tätigkeit erfolgen – das gilt vor allem für Freiberufler, die von der Pflicht zur Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt befreit sind. Auch hier empfiehlt sich der zeitnahe Behördengang: Nur so lassen sich unnötige Schwierigkeiten schon in der Anfangsphase Ihres Unternehmens vermeiden.

Autor_in: Susanne Khammar

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