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Scheinselbstständigkeit: Vermeiden Sie als Unternehmer typische Fehler!

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Von der unternehmerischen Freiheit in die Scheinselbstständigkeit: Wer dauerhaft für einen einzelnen Auftraggeber arbeitet und wenig eigenen Entscheidungsspielraum hat, dem droht die Scheinselbstständigkeit. Diese sollten Sie als Unternehmer aufgrund der rechtlichen Konsequenzen nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Als Einzelunternehmer oder Kleinunternehmer sind Sie in der Auswahl Ihrer Kunden und Auftraggeber grundsätzlich unabhängig: Sie bestimmen, für wen Sie wann und in welchem Umfang arbeiten möchten. Probleme können dann entstehen, wenn es um das Thema Scheinselbstständigkeit geht.
Die Definition dafür lässt sich zwar nicht dem Gesetz entnehmen, kann aber durch die Gesetzgebung und Rechtsprechung ganz klar erfassen. Demnach liegt immer dann eine Scheinselbstständigkeit vor, wenn Sie als Unternehmer in der Hauptsache zwar nach außen hin autonom auftreten, faktisch aber in Abhängigkeit von einem einzelnen Kunden bzw. Auftraggeber arbeiten.

Dabei ist es nur von untergeordneter Relevanz, in welcher Branche Sie tätig sind: Ob Freiberufler oder Gewerbetreibender – eine mögliche Scheinselbstständigkeit hat Folgen für die rechtliche Beurteilung Ihrer Tätigkeit!

 

So erkennen Sie als Unternehmer die Scheinselbstständigkeit!

Eine Scheinselbstständigkeit lässt sich dann annehmen, wenn Ihre berufliche Betätigung dauerhaft durch eines oder mehrere der folgenden Merkmale geprägt ist:

  • Sie handeln weisungsgebunden:
    Während eine selbstständige Tätigkeit grundsätzlich immer unabhängig von den Weisungen eines Auftraggebers ausgeführt wird, ist die Scheinselbstständigkeit gerade durch die Abhängigkeit von den Weisungen eines einzelnen Auftraggebers charakterisiert. Er bestimmt den Ort, die Zeit und den Inhalt Ihrer Tätigkeit und nimmt Ihnen somit die Selbstbestimmtheit Ihres beruflichen Tuns. Praktisch kann dies zum Beispiel geschehen, indem der Auftraggeber Ihnen eine bestimmte Arbeitszeit vorgibt oder Sie verpflichtet, ausschließlich in seinen Räumlichkeiten zu arbeiten.
  • Sie sind in die Organisationsstruktur des Auftraggebers eingebunden:
    Als Scheinselbstständiger sind Sie nicht mehr frei darin, Ihren Arbeits- und Tagesablauf selbst zu gestalten. Vielmehr sind Sie ein Teil des Teams, das Ihrem Auftraggeber unterstellt ist und würden auf Nachfrage auch von einem neutralen Beobachter diesem Team zugeordnet werden. Nach außen hin besteht also kein Unterschied zwischen Ihnen und den angestellten Arbeitnehmern Ihres Auftraggebers.
  • Sie tragen kein unternehmerisches Risiko:
    Eine selbstständige Tätigkeit ist immer auch durch das unternehmerische Risiko geprägt, das Sie als Unternehmer tragen. Dieses zeigt sich zum Beispiel an der Verantwortung für die Neukundenakquise, aber auch durch Investitionen und das Kapital, das für das eigene Unternehmen zum Einsatz kommt. Bei der Scheinselbstständigkeit entfällt dieses unternehmerische Risiko, da diese Aufgaben durch den Auftraggeber übernommen werden.

Neben den genannten Merkmalen gibt es weitere Fallkonstellationen, die für eine Scheinselbstständigkeit typisch sind. Gerade als Kleinunternehmer laufen Sie übrigens verstärkt Gefahr, in eine Scheinselbstständigkeit hineinzugeraten: Häufig werden dabei nur sehr wenige Kunden bzw. Auftraggeber bedient. Beschränkt sich die Ausübung Ihrer Tätigkeit dauerhaft auf einen einzelnen Auftraggeber, dann kann aus der unternehmerischen Freiheit schnell eine Scheinselbstständigkeit werden!

Achtung: Stammt Ihr Umsatz zu mehr als 75 Prozent von einem einzigen Auftraggeber, gilt im Allgemeinen der Verdacht auf Scheinselbstständigkeit! Sorgen Sie daher dafür, dass Sie möglichst breit aufgestellt sind und Ihren Umsatz aus mehr als einer Quelle beziehen! Das gilt vor allem zu Beginn einer Selbstständigkeit – hier sollten Sie zügig Aktivitäten einleiten, die für weitere Kunden sorgen. Dazu gehören zum Beispiel: Akquisearbeit zur Generierung weiterer Auftraggeber, Weiterbildungsmaßnahmen oder auch die Anstellung von Mitarbeitern (als geringfügig Beschäftigte auf 450 Euro-Basis).

 

 

Folgen der Scheinselbstständigkeit treffen Auftragnehmer und Auftraggeber

Wenn eine Scheinselbstständigkeit vorliegt, sorgt diese auf verschiedenen Ebenen für Konsequenzen. Als Unternehmer sollten Sie diese Folgen nicht unterschätzen, denn sie wirken sich direkt auf Ihre berufliche Betätigung aus:

  1. Folgen der Scheinselbstständigkeit im Strafrecht: Die Verschleierung einer regulären Tätigkeit als Arbeitnehmer ist kein Kavaliersdelikt, denn hier drohen auch strafrechtliche Konsequenzen: Je nach Konstellation kommt möglicherweise eine Steuerhinterziehung in Betracht.
  2. Folgen der Scheinselbstständigkeit im Sozialversicherungsrecht: Als Arbeitnehmer haben Sie die Pflicht, Ihre Anteile zur Sozialversicherung zu zahlen. Gelten Sie rechtlich als Scheinselbstständiger, so müssen Sie diese Beiträge nachträglich zahlen – und zwar bis zu vier Jahre rückwirkend.
  3. Folgen der Scheinselbstständigkeit im Arbeitsrecht: Als Scheinselbstständiger wirken Sie nicht nur auf Außenstehende wie ein Arbeitnehmer, Sie werden auch rechtlich so behandelt. Damit entstehen durch Ihre Tätigkeit auch Ansprüche in Bezug auf Urlaub und Kündigung.

 

Autor_in: Susanne Khammar

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